Amalfiküste – Ein Paradies der Keramik

„Bring mir bitte  einen Krug mit, wenn du an der Amalfiküste bist“, meinte meine Arbeitskollegin zu mir. Weil sie wusste, dass ich in das Paradies der Keramiker fuhr.

Man kennt ja bestimmte Destinationen nur aus dem Katalog, aus Dokumentationen oder Reisezeitschriften. Selbst dann vor Ort zu sein, ist eine andere Erfahrung. Dann wird das virtuell Bekannte plötzlich analog. Also angreifbar und unmittelbar.

Atemberaubende Küstenstraße

Vietri ist das Zentrum der Keramikkunst an der Amalfiküste.
Vietri ist das Zentrum der Keramikkunst an der Amalfiküste.

In Salerno katapultierte es mich in dieses Angreifbare. Der Verkehr, die vielen Autos und das sich Durchschlängeln mit dem Wohnmobil in Richtung Küstenstraße. Plötzlich war ich auch schon durch Salerno durchgefahren und in Vietri sul Mare gelandet. Dem Zentrum der Keramik-Kunst Italiens. Dem Zentrum dessen, womit die Amalfiküste wirbt.

Gefunden: "Mein" Keramikgeschäft in Vietri an der Amalfiküste.
Gefunden: „Mein“ Keramikgeschäft in Vietri an der Amalfiküste.

Im Ort Vietri sul Mare reihen sich die kleinen Keramik-Läden aneinander. Findet sich hier ein Parkplatz an der Durchfahrtsstraße, dann heißt es diesen zu nützen. Denn ein Abstecher in die Altstadt von Vietri mit Blick auf den Golf von Salerno zahlt sich aus. Und man wird, nützt man diese Chance nicht, einen solchen auf der Reise an diese grandiose Küste Süditaliens vermissen.

Für mich ging es aber weiter in Richtung Küstenstraße. Und ein Keramik-Laden an dieser, ein wenig außerhalb des Ortskernes von Vietri gelegen, zog mich magisch an. Schnell war das Wohnmobil geparkt – es sollte sich später als einzige Parkmöglichkeit an der Amalfitana herausstellen. Und die  Krüge und Fliesen vor dem Geschäft  hatten mich schlagartig verzaubert.

Riesige Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen von Salerno vor Anker.
Riesige Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen von Salerno vor Anker.

Ich kann ruhigen Gewissens behaupten: Nun hatte mich der Amalfi-Küsten-Flash endgültig erwischt. Ich blickte von meinem kleinen  Parkplatz in einer Kehre gelegen aus auf die Schiffe und Kreuzfahrt-Luxusdampfer am Meer, die hier im Golf von Salerno vor Anker lagen.

Ein sonniger Gruß aus handgemachter Keramik.
Ein sonniger Gruß aus handgemachter Keramik.

Hinter mir Amphoren, Tischplatten, Dekorationen und Kacheln in den buntesten Farben. Und neben mir reger Verkehr, als gelte es die Küstenstraße in Grund und Boden zu fahren.

Kunst und Handwerk vereinen sich

Zuviel Auswahl und prachtvolle Farben.
Zuviel Auswahl und prachtvolle Farben.

Ehrfurchtsvoll betrat ich den Laden, der sich als erweiterte Werkstatt herausstellte. Die Hundertschaft an Vasen, Tellern, Krügen überrollte mich. „Gut, dass die Freundin nicht mitgefahren ist. Wir hätten jetzt ein Beladungsproblem“, dachte ich. Denn die von  Geschirr begeisterte Freundin hätte vermutlich den Laden leer gekauft.

Handgemachte Keramikvasen aus Vietri.
Handgemachte Keramikvasen aus Vietri sul Mare.

Ich selbst stand völlig überfordert im Geschäft, bis mich eine Verkäuferin fragte, ob ich einen Kaffee möchte. Die hatte wohl meine Hilflosigkeit erkannt, die mir zweifelsohne ins Gesicht geschrieben stand. „Gott sei Dank Kaffee, ja bitte einen Espresso“, antwortete ich auf Italienisch. Die Verkäuferin lachte mich an und meinte, ich könne auch nach hinten gehen und einen Blick in die Werkstatt werfen.

Amalfiküste: Keramiker bei der Arbeit.
Amalfiküste: Keramiker bei der Arbeit.

Damit war die Qual der Wahl genommen. In der Werkstatt wurde fleißig bemalt, wurden Schüsseln geformt. Inmitten konzentrierter Ruhe. Ganz still saßen sie da, die Kunsthandwerker und waren in ihre Arbeit versunken. Malten Blüten und Früchte, Girlanden und Blumenmuster auf Teller und Tassen.

Ein Espresso hilft

Amalfiküste: Keramikerin bemalt Kaffeetassen.
Amalfiküste: Keramikerin bemalt Kaffeetassen.

Der Espresso schien auf meine Entschlusskraft zu wirken. Jetzt hatte ich gefunden, was ich mitbringen wollte.  Eine Karaffe für die Kollegin, eine weitere Karaffe für die Freundin, die mir das Geschäft leer gekauft hätte. Und ein paar Kleinigkeiten noch für die Familie und mich selbst. Endlich hatte ich eine hübsche Löffelablage für den Herd, die ich mir schon so lange gewünscht hatte. Eine Löffelablage mit Zitronen drauf!

Vietri und Majolika – Kulturelles Erbe

Ein Wort noch zu Vietri sul Mare, so heißt der Ort korrekt, der auch UNESCO Weltkulturerbe ist. Dort sind die Keramiker zuhause. Jene Keramikkünstler, welche die Amalfiküste mit ihren bunten Krügen, Tellern, Fliesen und Kacheln so bekannt gemacht haben. Und deren Vasen in jedem Touristenprospekt zu finden sind.

Die Farben haben alle eine Bedeutung: Türkis für das Meer, Grün für die Macchia.
Die Farben haben alle eine Bedeutung: Türkis für das Meer, Grün für die Macchia.

Jeder dieser Keramikkünstler pflegt seinen eigenen Stil. Die Farben der bunten handgemachten Keramik stehen für das Meer (Türkis), den blauen Himmel und das Grün der Macchia. Aber auch das kräftige Gelb der Zitronen, die in dieser Region angebaut werden,  findet man in den Vasen, Tellern und Tassen wieder. Selbst Tischplatten werden kunstvoll gefertigt.

Ist man einmal in Vietri sul Mare,  muss man auch nach Ratio, einem Ortsteil von Vietri, hinauf. Weil dort die Keramikkunst eine besondere Ausprägung erfahren hatte. In Ratio gibt es nicht nur ein Keramikmuseum, das die seit dem Mittelalter gepflegte Keramikkunst präsentiert. Dort wird auch die Majolika hergestellt. Eine zinnglasierte Tonware mit einzigartigen Farben, die seit dem Spätmittelalter als Majolika-Kultur bekannt ist und von den Mauren beeinflusst war. Nur Majolika-Tonware zeigt einzigartig kräftige Farben wie Kupfergrün, Kobaltblau, Manganviolett und Antimongelb. Es geht also noch kräftiger als das, was ich hier in Vietri sul Mare zu sehen bekam.

Amalfiküste nur mit Vespa oder Auto

Die Küstenstraße, die Amalfitana, ist eine kurvige Herausforderung.
Die Küstenstraße, die Amalfitana, ist eine kurvige Herausforderung.

Wer also gerade dieses Kunsthandwerk bestaunen möchte, sollte die Amalfiküste über Salerno anfahren. Ganz besonders dann, wenn mit dem Wohnmobil gereist wird. Denn für dieses ist die Küstenstraße, die Amalfitana gesperrt. Über Positano erreicht man nicht Vietri sul Mare oder Salerno!

Und ja, es stimmt, die Amalfitana wird zur fahrerischen Herausforderung. Lenken, Schauen und nach kleinen Haltebuchten Ausschau halten, weil es ja sooo schön ist, das nimmt die volle Aufmerksamkeit in Anspruch. Dazu kommt obligates Hupen vor den nicht einsehbaren Kurven.

Besser man fährt die Amalfitana mit der Vespa.
Besser man fährt die Amalfitana mit der Vespa.

Also das Wohnmobil eignet sich nur für eine Reise nach Salerno oder Vietri sul Mare. Von da weg fährt es sich besser mit dem Auto oder mit einer Vespa. Über die man während der Fahrt auf dieser Küstenstraße  ja regelrecht „stolpert“.

 

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