Aye Aye, Sir Henry Morgan!

Meer, Schiffe, Wind und Klippen. Handelsstädte an den Küsten, Gold und Macht in herrschaftlichen Kastellen. Wo sich diese Dinge finden, dort ist die Piraterie nicht weit.

Eine Handelsstadt, versteckt im Hinterland. Mächtige Befestigungsanlagen mit Türmen und Stadttoren. Eine Basilika im Zentrum der Burg, um den Glauben an das Göttliche zu stärken. Wenn  wieder einmal Soldaten oder Räuber an die Pforten klopfen.

Wer Handel in historischer Zeit trieb, und sogar noch an der Küste eines Meeres dies tat, der musste mit Überfällen rechnen. Überfälle von anderen Herrschern oder gar von Piraten. So erging es nicht anders manchen Küstenorten an der kroatischen Adria. Und auch Handelsstädte, die aus Sicherheitsgründen ins Hinterland verlegt wurden, suchten die Piraten heim.

In den Ruinen von Dvigrad soll Kapitän Morgan seinen Schatz versteckt haben.
In den Ruinen von Dvigrad soll Kapitän Morgan seinen Schatz versteckt haben.

Dvigrad in Istrien ist eine solche Handelsstadt, die viele Male verwüstet und von Piraten heimgesucht wurde. Heute gibt es sie nur noch als Ruine im Wald bei Kanfanar. Denn die Bewohner haben nach zahlreichen Schicksalsschlägen, Verwüstungen und Plünderungen ihre Stadt im 17. Jahrhundert verlassen. Eine Malaria-Epidemie, der mehrere Cholera- und Pestwellen vorausgegangen war, gab ihnen schließlich den Rest.

Aber auch ein ganz bekannter Freibeuter hält sich in Dvigrad als Legende. Sir Henry Morgan, der als Pirat in der Karibik und der spanischen Küste sein Unwesen trieb, soll  im istrischen Dvigrad seinen Schatz versteckt haben.

Geadelter Räuber

Morgan betrieb ein professionelles Freibeuter-Unternehmen und hatte eine  Mannschaft von 500 Leuten unter seiner Flagge segeln. Nach erfolgter Begnadigung durch das britische Königshaus, erhob man den Piraten sogar in den Adelsstand und ernannte ihn zum Vizegouverneur von Jamaica. Auf der Fahrt dorthin brachte vermutlich ein Navigationsfehler – Morgan war als schlechter Seemann bekannt – das Schiff an einem Riff zum Sinken.

Die „Jamaica Merchant“ kam nie an, Morgan überlebte aber den Untergang. Lies die Bordwaffen bergen und rüstete damit die Küstenbefestigung von Port Royal in Jamaica aus. Er starb im Suff als spätberufener,  unerbittlicher Widersacher gegen das Piratentum.

Auf Cres führt man Touristen mit einem Piratenschiff spazieren. Galeonsfigur ist natürlich der sagenumwobene Henry Morgan.
Auf Cres führt man Touristen mit einem Piratenschiff spazieren. Galeonsfigur ist natürlich der sagenumwobene Henry Morgan.

Zurück nach Dvigrad in Istrien. Der Schatz des Capt’n Morgan soll hier noch liegen. Zwischen den Ruinen, den verfallenen Herrschaftshäusern hier im Wald. Sein sagenhafter Schatz, die Freibeuterei verhalf ihm zu Wohlstand, soll nun hier liegen. So erzählen sich das die Einheimischen von Kanfanar, das als Nachfolgestadt von Dvigrad gilt.

Marke Morgan

Sir Morgan sparte nämlich seine Beute, verschleuderte sie nicht in Kneipen, beim Glücksspiel oder in Bordellen, wie dies bei Piraten üblich war.

Sir Morgan’s Schatz liegt hier in Dvigrad, sagt man. Nicht umsonst trüge auch das 2 Kilometer entfernte Städtchen den Namen „Mrgani“. Morgan und Mrgani, das soll eins sein. Und so mancher Schatzsucher sieht darin eine Bestätigung für die Wahrheit der Legende.

Kein Wunder also, wenn man dem Freibeuter und späteren Vizegouverneur überall in Kroatien über den Weg läuft. Im Hafen von Cres liegt beispielsweise ein Zweimaster vor Anker, der als Piratenschiff getarnt, Ausflugstouristen auf die Inseln bringt. Die Galeonsfigur: der gute alte Capt’n.

Oder in Pula in der Altstadt muss Sir Morgan für Süßigkeiten herhalten. Süße Schätze für kleine Piraten. Süßer, verführerischer Morgan, du!

Da kann man nur sagen: „Aye Aye, Sir!“ Und vor der Legende den Hut ziehen. Und auch vor den Kroaten, wie sie diesen englischen Freibeuter und die Geschichten um ihn geschickt vermarkten.

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