Bucht von Colone – Militärgeschichte nebenan

Kroatien ist immer für eine Überraschung gut. Manche dieser Überraschungen sind auf historischem Boden gewachsen. So auch im nahen Bale in Istrien. Ein Teil des Campingplatzes Mon Perin liegt nämlich auf militärgeschichtlichem Boden aus der k.u.k.-Zeit.

Sveta Jakov, das Kirchlein zum Heiligen Jakob liegt mitten am Gelände des Campingplatzes Colone.
Sveta Jakov, das Kirchlein zum Heiligen Jakob liegt mitten am Gelände des Campingplatzes Colone.

Schon bei der Einfahrt zum südlichen Teil des Campingplatzes Mon Perin  fällt dem aufmerksamen Besucher eine romanische Kirche mit einem Dach aus Steinplatten auf. An der Wand der Kirche haben sich Soldaten verewigt. Die Jahreszahlen zeigen, diese Soldaten ritzten ihre Botschaften in den Jahren des Ersten Weltkrieges hier ein. Und hinterließen damit ein Dokument ihrer Gegenwart.

Heute wird das Kirchlein Sveta Jakov (Hlg. Jakob) für Andachten verwendet und ist für Campingplatz-Gäste geöffnet. Sonntag abends liest man hier immer eine Messe.

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Reste der Geschütztürme sind noch sichtbar.

Geschütztürme und Festung

Doch das Kirchlein ist nicht das einzige Geheimnis dieses Platzes in der Bucht von Colone. Bei einem Gespräch mit einem älteren Camper, er ist Stammgast seit 17 Jahren, erfährt man noch viel mehr. Das gesamte Areal war nämlich in der Monarchie ein richtiges Militärgelände mit Katakomben oben am Hügel. Mit Zisternen und Geschütztürmen.

Im rückwärtigen Teil des Geländes entdeckt man dann eine Zisterne, die der Wasserversorgung der Truppen galt. Wohl auch zur Kühlung der Maschinen oben bei den Geschütztürmen, nützte man dieses Wasser.

Diese Zisterne steht mitten am Gelände des Campingplatzes in Colone.
Diese Zisterne steht mitten am Gelände des Campingplatzes in Colone.

Überhaupt scheint man nicht viel über diese Militäranlage zu erfahren. Die Reiseinformationen in der Region schweigen sich dezent aus. Eine Internetrecherche bringt aber Licht ins Dunkel. Besagte Anlage hier ist nämlich unter dem Namen „Küstenfort Forno“ zu finden.

Fort Forno

Nun zu den Details. Das Fort Forno ist vom Campingplatz aus sogar sichtbar, befindet sich dieses ja am südlich gelegenen Hügel. Die Geschütztürme sind noch vorhanden. Jedoch ist das Gelände um das Fort eingezäunt. Tafeln weisen darauf hin, dieses nicht zu betreten.

Das Fort Forno wurde zwischen 1902 und 1914  von den Österreichern erbaut und diente dem Schutz der Schifffahrt. Insbesondere schützte diese Verteidigungsanlage die Einfahrt in den Fazana Kanal und die Zufahrt zu  Pula. Militärhistorisch gesehen handelte es sich damals um die modernste Verteidigungsanlage des rund 18 Kilometer entfernten Kriegshafens Pola (heutiges Pula).

Eingang zu den Bunkern von Fort Forno.
Eingang von Fort Forno in Istrien, die alte Verteidigungsanlage der Monarchie.

Vom höchsten Punkt des Forts aus sieht man die Ortschaften Fazana, Barbariga und Pula und nördlich bis nach Rovinj. Die Anlage wurde aber durch eine Explosion am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Die Sprengung erfolgte mangelhaft und manche Quellen vermuten, dass es sich um eine Explosion der dort gelagerten Bezintanks gehandelt haben muss (siehe unten Link zu Adriaforum).

Militär bis 1992

Trifft man Stammgäste des Campingplatzes in der Bucht von Colone und unterhält man sich mit diesen über das Fort, wird so mancher von ihnen noch über eine Nutzung der Anlage bis 1992 zu berichten wissen. Fort Forno wurde nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg von der Jugoslawischen Armee benützt und die „alten Camper“ kennen noch die Truppenbewegungen über das Campingplatzareal hinauf zum Fort. Angeblich hielt man dort Tiere und lagerte Futter und Stroh. Und man war auch mit bewaffneten Einheiten dort vertreten. Eine Feldbahn soll ebenfalls hinauf auf den Hügel geführt haben.

Geschützbunker von Fort Forno.
Geschützbunker von Fort Forno.

Von einer eigenständigen Erkundung des Forts ist abzuraten. Einerseits könnte man am Weg hinauf schwarzen Schlangen begegnen. Andererseits gibt es in der Anlage zahlreiche Katakomben und Wehrgänge, deren Stabilität nicht mehr gewährleistet ist. Auch von mit Stroh abgedeckten Hohlräumen wird berichtet, sodass das Betreten der Ruinen gefährlich werden kann.

Die Festungsbauten sind heute Ruinen. Vom Betreten dieser wird abgeraten.
Die Festungsbauten sind heute Ruinen. Vom Betreten dieser wird abgeraten.

Die  gesamte Anlage versprüht außerdem ein unheimliches Gefühl, so als ob man sich unter Geistern bewegen würde. Dieses wird auch von manchem der „alten“ Camper bestätigt.

Man hält sich also lieber fern und weiß einfach um die Geschichte dieses Ortes Bescheid. Und man begnügt sich mit der Zisterne am Campingplatz als Zeitzeugen. Lieber hält man sich unten in der Bucht auf, wo  einem traumhaften Badeaufenthalt und Urlaub in Kroatien wohl nichts im Wege steht.

Colone
Der Strand bei Colone lässt keinerlei militärhistorische Vergangenheit vermuten.

 

Weiterführende Links: Adriaforum, kroatischer Wikipedia-Eintrag, und hier noch eine schöne Beschreibung von Michler-Web. Auf Google Maps findet ihr den Ort unter dem Begriff ‚Tvrđava Forno‘.

 

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