Camp-Genuss zur Vorsaison auf Istrien

(Sima/Red) – Wir schlendern durch den Hafen von Rovinj in Istrien und genießen die Meeresluft. Unser Kurztrip nach Kroatien zur Vorsaison hat sich voll bezahlt gemacht. Ein Gastbeitrag.

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Wir waren klettern und genießen. Istrien zur Vorsaison bietet Meer, Kulinarik und beschauliche Ruhe. Foto: Gebetsroither

Die Entscheidung war gut, auch nur für fünf Tage hierher ans Meer zu fahren. Eine Woche davor hatten wir überlegt, ein paar Tage Auszeit zu nehmen. Wir wären beinahe daheim geblieben, denn unser eigenes Wohnmobil mussten wir erst auswintern; Sechs Stunden in eine Richtung für wenige Tage zu fahren erschien uns ebenfalls als zu mühsam. Und das Packen sowie der nicht so rosige Wetterbericht waren anfangs keine wirkliche Motivation für eine Reise. Aber die Vorstellung nach dem langen Winter ein paar Tage Meeresluft zu atmen,  mediterranes Flair zu spüren, machte die Entscheidung dann klar: Wir fahren! Und das mit möglichst wenig Aufwand und zeitsparend. Deshalb entschieden wir uns diesmal, das Wohnmobil daheim zu lassen und ein Mobilheim vor Ort zu mieten.

Vrsar Panorama. Quelle: Wikipedia/Commons
Vrsar Panorama vom Campingareal auf das adriatische Meer. Quelle: Wikipedia/Commons

Um nicht einen Tag durch Anreise zu verlieren und die Autofahrt unserer Tochter leichter zu machen, fuhren wir abends um 18 Uhr los um gegen Mitternacht am Meer zu sein. Unser  Ziel: Vrsar, Camping Orsera. Ein Campingplatz kaum fünf Gehminuten vom Hafen des noch recht ursprünglich gebliebenen Fischer-Städtchens Vrsar entfernt. Wir fuhren also mit der Nummer des Mobilheimes, das unser Domizil für die nächsten Tage sein sollte, in Richtung Süden. Den Hausschlüssel würde man uns für die nächtliche Ankunft ins Schloss stecken, wurde uns bei Buchung versichert.

Stilles Meer, stiller Ort

Am nächsten Morgen frühstückten wir, gut ausgeschlafen, bereits in der Sonne auf der Terrasse des Mobilheimes und blickten auf das Meer. Jegliche Zweifel ob dieses Kurzurlaubes waren in diesem Moment verflogen.

Wir waren schon lange nicht mehr in Istrien, fuhren die letzten Jahre immer nach Dalmatien  – nach dem Motto „je aufwändiger und weiter,  desto wärmer, schöner und ruhiger muss es dort sein“. Diese Theorie hat sich bisher nicht bestätigt, bis auf die Tatsache, dass die Temperaturen in der Regel nach Süden hin zunehmen.

Als Kind war ich immer mit meinen Eltern in Istrien, habe riesige Campingplätze in Erinnerung, die es tatsächlich heute noch gibt. Orsera ist aber klein, überschaubar und besticht durch seine Nähe zum Ort. Man muss nur hinter dem Campingplatz eine Gasse hinuntergehen und landet direkt am Hafen. Ein paar Minuten länger dauert der Weg am Meer entlang.

Alter Hafen von Vrasr
Der alte Fischerhafen von Vrsar. Quelle: Wikipedia/Commons

Wir sind verwundert, wie ursprünglich und klein das Fischerstädtchen Vrsar geblieben ist. Um diese Jahreszeit läuft hier nur die Vorbereitung auf die Badesaison. In der Marina werden die Boote ausgewintert,  und die Cafes und Restaurants haben alle bereits geöffnet. Eine beschauliche Ruhe verströmt der sonst so umtriebige Badeort im Mai.

Geschichte, wohin man blickt in Rovinj in Istrien

Rovinj ist nicht weit entfernt. Gerade mal dreißig Kilometer mit dem Auto um den Limski Fjord herum, und schon schlendert man durch die engen Gassen der Altstadt, die auf einen ins Meer hinaus ragenden Hügel erbaut wurde. Schon in der Römerzeit gegründet, ist Rovinj von verschiedenen Herrschaftsepochen geprägt. Das heute rund 14.000 Einwohner zählende Städtchen gehörte ab 1283 zu Venedig. Danach zum napoleonischen Reich und ab dem Wiener Kongress (1815) zu den Habsburgern. So präsentiert sich auch die Architektur Rovinjs wie ein Blick in die unterschiedlichsten Epochen des Bauens, von romanisch-gotisch über Renaissance, Barock und Neo-Klassizismus.

Rovinj in Istrien
Blick auf die Altstadt von Rovinj in Istrien. Quelle: Wikipedia/Commons.

Die lange Zughörigkeit zu Venedig führte dazu, dass heute Rovinj zweisprachig (kroatisch und italienisch) ist. Und der geflügelte Löwe im Wappen der Venezianischen Republik schmückt  den Eingang zur Altstadt.

Eingang Altstadt Rovinj. Quelle: Wikipedia/Commons
Eingang Altstadt Rovinj. Das Stadttor ist aus der venezianischen Zeit und trägt das Wappen der Venezianer. Quelle: Wikipedia/Commons

Die übrigens immer befestigt und Teil einer Verteidigungsanlage war. Besonders Seeräuber hatten es nämlich im 9. Jahrhundert auf Rovinj abgesehen. Da lockte wohl der Reichtum Venedigs so manchen Freibeuter des adriatischen Meeres an.

Übrigens verbindet erst seit 1763 eine Brücke die Halbinsel mit dem Festland. Ursprünglich war Rovinj eine eigene Insel.

 

Nach dem Sport schmeckt´s doppelt so gut

Da unbeständiges Wetter für unseren Aufenthalt vorausgesagt war, nahmen wir Rollerskates, Laufsachen, Kletterzeug und Angel mit. Letzteres nicht, weil wir ernsthaft daran glaubten, ein Abendessen aus dem Wasser zu holen, sondern weil das Angeln an der Küste auch bei Schlechtwetter eine erlebnisreiche Abwechslung für unsere Tochter ist.

Meine Laufstrecke wählte ich morgens zwischen Mobilheim und Bäckerei, wo es übrigens herrlich frisches Weißbrot gab. Und die Klettersachen konnten wir ebenfalls verwenden. Denn  unser Besuch der Altstadt von Rovinj führte uns in einen großen Park am Ende der Stadt. Dort gibt es einen Klettergarten direkt am Meer. Dieser ist im Kletterführer beschrieben und am späten Nachmittag beleuchtet die tief stehende Sonne die Felsen. Wir kletterten mehrere Routen, auch unsere Tochter kletterte brav, und wir genossen den überwältigenden Ausblick von der Wand auf das Meer.  Unsere fünfjährige Tochter lernte außerdem das Rollerskaten auf der betonierten Badeterrasse von Orsera.

Skampi und Fisch essen in Kroatien. Quelle: Wikipedia/Commons
Skampi und Fisch essen in Kroatien gehört zum Urlaub dazu. Quelle: Wikipedia/Commons

Ausgepowert von so viel Sport genossen wir die kroatische Küche umso mehr. Fisch essen in einem der Restaurants in Vrsar, kroatische ursprüngliche Kulinarik in einem  netten Lokal in Orsera oder auf Rovinj. Ein Fläschchen kroatischen Rotwein zum selbst gekochten Essen mit Freunden auf der Terrasse unseres Mobilheimes. Herz, was willst du mehr! Nur einen Pullover benötigt man jetzt noch, will man einen der prachtvollen Sonnenuntergänge im Mai auf der Terrasse bestaunen.

Sonnenuntergang auf Vrsar. Quelle: Wikipedia/Commons
Sonnenuntergang auf Vrsar. Auch im Mai schon eine Pracht. Quelle: Wikipedia/Commons

 

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