Camping unter Palmen

Camping unter Palmen. So könnte man den Urlaub in Sanremo an der ligurischen Küste mit nur 3 Wörtern beschreiben. Der Untertitel orientiert sich jedoch an der mitgebrachten Reiselektüre: „Ich ein Tag sprechen hübsch“.

Die Szene: Betriebsausflug mit Gebetsroither,  2 Tage für An- und Abreise mit dem Bus, 3 Tage Vollprogramm mit Reiseleiterin Simona, Essen bis zum Platzen mit Totalversagen unserer Bäuche und 2 firmeninterne Geburtstage, die es ordentlich zu feiern galt.

Dazu die Nähe zu Frankreich, dessen Landessprache nur wenige von uns sprechen, geschweige denn verstehen. Und Palmen, nichts als Palmen, zwischen denen superteure Autos die Küstenstraßen entlang kurven oder einfach nur rumstehen, vorm Casino in Monaco, vorm Luxushotel oder an den Promenaden. Protz, protz!

Monaco und Menton

Ach ja, die 90.000 Euro für den Quadratmeter Wohnfläche im Penthouse des „Tour Odeon“ kosteten uns einen müden Lacher. Wir drehten lieber eine Runde auf der Rennstrecke von Montecarlo – zu Fuß natürlich. Nicht ohne zuvor für die Einfahrt unseres Busses 115 Euro den Monegassen zu bezahlen. Um danach bescheiden in den Urlaubsort fürs dünne Portemonnait, nach Menton zu fahren.

Dort gibt’s neben dem alljährlichen Zitronenfest viel britischen Charme in Hotels mit klingenden Namen wie Royal Westminster sowie Schlecker und Lidl. Und im „Friedhof des alten Schlosses“ ruht mit Aussicht auf die Altstadt die russische und britische Aristokratie.

Selbst Jean Cocteaus künstlerisches Werk hat hier mit einem modernen Museumsbau seine Heimat gefunden. Gleich gegenüber die alte Markthalle, in der noch täglich gehandelt wird. Nur den Fischhändler sollte man in der Halle nicht fotografieren. Er besteht auf eine amtliche Foto-Erlaubnis und könnte handgreiflich werden. Macht nichts, wir waren viel zu spät dran. Der rabiate Händler blieb unauffindbar.

Auf den Spuren von Monet

Später erklommen wir Monets Brücke und stiegen unzählige Stufen in den Altstädten von Dolceaqua, Sanremo und dem Dörfchen Eze hinauf und wieder hinunter. Danach bedurfte dieses Steigen und Besichtigen enormer Mengen an Nahrung – flüssiger wie fester. „Limoncello und Grappa muss sein, das ist hier so üblich“, rief fröhlich unsere Reiseleiterin im Bus, verlässlich nach dem Mittags-Lunch.

Camping unter Palmen – Träumen am Strand

Nach getaner Arbeit, diese Besichtigungstouren mit Reiseführer stellen Arbeit dar (!), träumten wir am Strand bei spätsommerlichen Temperaturen vom Überwintern in Sanremo. Hallo Chefs, wie wäre es mit einer Filiale hier? Job unter Palmen! In der Stadt des ewigen Frühlings.

Hübsche Reiselektüre

Und wer noch abends im Bett die Augen aufbrachte, obwohl er nicht mehr einmal Papp sagen konnte, widmete sich zumindest der Reiselektüre. David Sedaris Bestseller „Ich ein Tag sprechen hübsch“ passte perfekt ins Ambiente. Denn „Hübsch sprechen“ war nach solchen Tagen kaum mehr möglich.

Spätestens in Nizza fühlte ich mich wie der Autor selbst. Mit einem einzigen Wort Französisch („bonjour“) im Gepäck, dessen Aussprache ich für meine Begriffe zur Perfektion beherrsche, setzte ich mich an die Promenade in Nizza und sah dem bunten Treiben zu. Da stand sie schon, die Französin und französelte mir ein „bonjour“ entgegen. Hocherfreut franzte ich selbiges zurück und musste mich dem darauf folgenden Wortschwall stammelnd ergeben.

Da fühlte ich mit Sedaris, der mit „Flaschenhals“ auf Französisch in dieses Land reiste. Mein hilfloses „non parle francais“ – heilige Sch…, ich kann es nicht, hilfe! – schlug die nette Französin augenblicklich in die Flucht.

So saß ich da, in Nizza, an der Promenade und wünschte mich in diesem Moment ins italienische Sanremo zurück. Es riecht dort auch besser, nicht so französisch kartoffelig, sondern nach Pesto und Vitello Tonnato.

Überwintern in Sanremo?

Abends, während die Kollegen wieder Geburtstag feierten, rechnete ich, wie lange man sparen müsste, um mit dem eigenen (!) Wohnmobil im Süden zu überwintern. Resigniert gab ich auf.  Es wird wohl doch ein Bestseller sein müssen, um die Wartezeit auf frühlingshafte Winter in Ligurien zu verkürzen.

Derweil bade ich in der Energie großer Schriftsteller wie Dickens oder Hemmingway, welche diese hier hinterlassen hatten. Und male mir dabei aus, Recherchen vor Ort über Bordighera und das Hotel Angst anzustellen. Hoffentlich wohl bald!

Kommentar verfassen