Die Ausflugsschiffer vom Gardasee

Es wird gedrängelt und gestoßen. Wild in der Luft fuchtelnden Bootsführer liefern sich heftige Diskussionen. In Sirmione am Gardasee legen neben dem großen Besucherparkplatz auch die Ausflugsboote an. Dort wird um jeden Fahrgast lautstark gekämpft. Es scheint bei den Schiffern auf die Menge der Fahrten anzukommen.

Um die Altstadt von Sirmione am Gardasee zu besichtigen, muss das Wohnmobil oder Auto rund 500 Meter vor dem Stadttor auf einem Parkplatz abgestellt werden – die hohen Parkgebühren sind ein Besuch derselben aber allemal wert. Geht man dann in Richtung Stadtzentrum, die Türme des Schlosses fungieren als Wegweiser, kommt man an der Anlegestelle der Ausflugsboote vorbei. Hier zahlt sich ein kurzes Verweilen aus. Denn das rege Treiben der Ausflugsschiffer ist sehenswert.

Mit dem Boot durch Wassergräben

Ausflugsboote werden zügig mit Gästen beladen. Hektisch fahren die Boote heran und nehmen neue Gäste auf.
Ausflugsboote werden zügig mit Gästen beladen. Hektisch fahren die Boote heran und nehmen neue Gäste auf.

Schon am späten Vormittag geht es hier zu wie auf einem Taxistand an einem großen internationalen Bahnhof. Die Boote nehmen laufend Gäste auf und fahren zu und wieder weg. Die Bootsführer drängeln und feilschen um jeden Gast. Es wird gestoßen und gedrängt. Wer aus der Reihe tanzt, wird forsch zurechtgewiesen.

Ein Wassergraben ist Teil der Militäranlage von Sirmione am Gardasee.
Ein Wassergraben ist Teil der Militäranlage von Sirmione am Gardasee und trennt die Altstadt von der Halbinsel.

Diese Ausflugsboote, die hier am Kai anlegen, fahren die Wassergräben der Verteidigungsanlage von Sirmione entlang. Sie zeigen der täglichen Hundertschaft an Besuchern ein einzigartiges Bild dieses mittelalterlichen Verteidigungssystems aus Festungsmauern, Zugbrücken und Wehrtürmen. Denn dieses alte Zentrum von Sirmione mit seinem Schloss an der Stirnseite liegt auf einer Halbinsel und ist vom Festland durch einen künstlich angelegten Wehrgraben getrennt.

Das Schloss und das Tor mit der Zugbrücke in die Altstadt von Sirmione.
Das Schloss und das Tor mit der Zugbrücke in die Altstadt von Sirmione. Ein Stück Militärgeschichte.

Das historische Sirmione, das ist eine Militäranlage antiken Ursprungs. Schon in der Steinzeit wurde das flache Wasser hier am Südufer des Gardasees besiedelt. Reste von Pfahlbauten zeugen von Ansiedelungen zwischen Salò und Garda.

Unmittelbar in der Nähe von Sirmione entspringt im (!) Gardasee auch eine Thermalquelle. Das wirkt sich auf das lokale Klima aus. Und das Wasser des Sees ist somit  reich an Schwefel, Brom und Jod.

Hektisches Treiben am Gardasee

Zurück zu den Ausflugsschiffern. Die schieben sich ungeduldig an der Kaimauer zur Einstiegsstelle entlang. Die Bootsführer fuchteln dabei  wild mit den Armen und diskutieren lautstark untereinander, wohin der Kollege sein Boot steuern soll, und wer jetzt an der Reihe ist.

Gardasee
Ausflugsboote fahren ab, leere Boote warten ungeduldig auf neue Gäste. Ungeduldige Kollegen werden zurechtgewiesen. Anstellen ist oberstes Gebot.

 

Fast möchte man meinen, der Verdienst der Bootsführer hängt von der Anzahl ihrer Fahrten ab. So hektisch rauschen diese mit ihren Booten an den Kai und drängen auf sofortiges wieder Ablegen. Selbst das Zusteigen der Gäste scheinen diese Kapitäne des Gardasees beschleunigen zu wollen. Husch, husch, zusteigen, hinsetzen, Mund halten und weg.

Die Fahrgäste warten derweil brav an der Mole auf ihr Boot,  oder sie sind vom Rufen der Bootsführer derart eingeschüchtert, dass ihnen nichts außer geduldiges Warten und Gehorchen bleibt. Derweil düst das nächste freie Boot heran und drängelt sich an den Kai. Schubst dabei den Kollegen aus der Reihe und schon wird wieder lauthals diskutiert, mit den Armen in der Luft herumgefuchtelt. Wehe, der Kollege der seine Bootsfracht nun zurückbringt, mogelt sich nach vorne und drückt sich ums Anstellen für seine nächste Tour. Wehe ihm!

Wer sich nicht an die Regeln hält und brav anstellt, wird sofort zurecht gewiesen, von den Ausflugsschiffern selbst.
Wer sich nicht an die Regeln hält, wird sofort zurecht gewiesen. Die Ausflugsschiffer scheinen auf genaue Reihenfolge besonders zu achten. Sich vordrängen ist wohl verboten.

 

Ob das Rufen der Ausflugsschiffer feindlich gemeint ist, sei dahingestellt. In Italien geht Kommunikation einfach lauter ab als in mitteleuropäischen Breiten. Und das wild fuchtelnde Diskutieren gehört hier einfach zur Mentalität dazu. Körpersprache auf Italienisch, das sind wilde Gesten zu einer gehörigen Portion lautstarker Argumente.

Sind die Fahrgäste einmal bei den Ausflugsschiffern zugestiegen, läuft die Tour offensichtlich ruhig ab. Fährt nämlich ein solches Boot durch die Wehrgräben von Sirmione, hört man kein Rufen und Diskutieren mehr. Alle sind zufrieden und scheinen die Rundfahrt zu genießen. Bestaunen das Ambiente und sind wohl schlichtweg von den Socken ob des Anblicks dieser Festung.

Nun wird nicht mehr diskutiert. Ruhig gleiten die Ausflugsboote durch die Wassergräben von Sirmione.
Nun wird nicht mehr diskutiert. Ruhig gleiten die Ausflugsboote durch die Wassergräben von Sirmione und die Gäste bestaunen die Militäranlage.

Tipp – Tagesausflug mit dem Schiff

Diese Ausflugsboote verkehren aber nicht nur rund um Sirmione. Sie befördern auch Gäste hinüber ans Westufer nach Limone. Dorthin, wo sich die für den Gardasee typischen Zitronengärten befinden. Und die Boote fahren auch hinauf ans Nord-Ostufer des Gardasees, nach  Malcésine.

Auch hier steht eine mittelalterliche,  imposante Burg im Ortszentrum. Malcésine wird von Bergsportlern geschätzt. Es ist Ausgangspunkt für Wanderungen, insbesondere vom 1760 Meter hohen Tratto Spino aus. Ein Berggipfel, auf den eine Seilbahn von Malcésine aus hinauf führt.

Auch mit der Autofähre kann man den Gardasee bereisen.
Auch mit der Autofähre kann man den Gardasee bereisen. Hier die Fähre von Desenzano kommend bei der Einfahrt in den Hafen von Sirmione.

 

Wer übrigens mit dem Linienboot nach Sirmione fahren will, kann dies beispielsweise von Desenzano aus tun. Zwischen diesen beiden Orten verkehrt stündlich eine Autofähre. Wohnmobile können diese aber nicht benützen. Trotzdem zahlt sich während der Hauptsaison das Benützen von Ausflugsbooten und Linienschiffen aus. Denn auf den Straßen rund um den Gardasee herrscht im Juli und August reger Verkehr. Man kann von regelmäßigen Staus vor allem um Peschiera del Garda und Desenzano ausgehen. Da steht man schnell mal eine halbe Stunde und kommt weder vor noch zurück.

Die größeren Autofähren sind außerdem mit Bars und Restaurants ausgestattet und bieten 35 Autos und rund 300 Personen Platz. Auch Malcésine ist mit einer Autofähre von Limone aus täglich während der Hauptsaison erreichbar.

 

Weiterführende Links: zu Sirmione, zur Einkaufsstadt Salo am Westufer des Gardasees,  und Garda am Ostufer, wo u.a. Reste der steinzeitlichen Pfahlbauten entdeckt wurden, zum Fähr- und Linienverkehr.

 

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