Die Brücken von Reggio

Fährt man von Florenz kommend in den Norden Italiens, in Richtung Gardasee, wird man in Reggio Emilia von imposanten Straßenbrücken empfangen. Hier hat sich der spanische Architekt Santiago Calatrava ein weiteres Denkmal seiner Arbeit gesetzt.

Spannweite 221 Meter, über 25 Meter breit und 46 Meter hoch. 4 Fahrbahnen und 2 Geh- und Radwege. 3 Brücken. 4000 Tonnen Gewicht. Und all das schwebt über der Poebene. Eine Symphonie aus Pylonen, Haltekabeln und Stahl.

Brücke von Architekt Santiago Calatrava in Reggio Emilia.
Eine der 3 Brücken von Architekt Santiago Calatrava in Reggio Emilia.
Schon von der Autobahn kommend sieht man die Brücken Calatravas.
Schon von der Autobahn kommend sieht man die Brücken Calatravas bei Reggio Emilia.

Die Bauwerke des spanischen Architekten Santiago Calatrava sind von künstlerischer Schönheit, die ihresgleichen sucht. Mit derartiger Eleganz versehen, vergisst man gerne, dass es sich bei diesen Objekten um Verkehrsbauten handelt. Man vergisst, dass hier Natur versiegelt wurde, dass seine Bauwerke Straßenabschnitte miteinander verbinden und hochtechnisierter Verkehr auf und in ihnen stattfindet.

Der Natur nachempfunden

Calatrava beginnt seine Entwürfe meist mit Skizzen von dynamischen Bewegungen von Tieren oder Menschen. Er schaut sich die Natur an, und zeichnet sie nach. Und er setzt dann diese Skizzen in Bauwerke um.

Der Architekt Santiago Calatrava. Foto: bei Bernd Nebel.
Der Architekt Santiago Calatrava. Foto: bei Bernd Nebel.

Der 1951 bei Valencia  geborene Architekt hat für seine Arbeiten einen einzigartigen Stil entwickelt.  In diesem treffen sich statische Notwendigkeit und dynamische Eleganz.  Er schuf mit seinen Brücken einzigartige Objekte, die das Auge des Betrachters zu fesseln verstehen. So muss man noch einmal eine Runde drehen, die Brücke von der anderen Seite betrachten. Oder einfach nur still stehen und genießen, was ein solches Bauwerk an Assoziationen im Kopf auslöst. Wohin es deine Gedanken zu leiten vermag.

So ähneln Calatravas Verkehrsbauten dynamischen Bewegungen von Insekten, Vögeln, Dinosauriern oder der menschlichen Wirbelsäule. Stahlseile können als Skelettteile oder Nervenstränge erkannt werden, Pylone als zusammenhängendes Knochenband, die gesamte Konstruktion erscheint einem Flügel oder einem Insektenbein nachempfunden. Die Fantasie hebt ab, wenn man Calatravas Bauwerke betrachtet.

3 Bögen in Reggio

In Reggio Emilia entwarf Calatrava 3 Brücken über die „Autostrada 1“ und die Bahnlinie, die neben der Autobahn verläuft. Der Anlass dafür war im Jahr 2007 der Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse im Norden der Stadt Reggio, wobei das bestehende Straßensystem saniert wurde.

Brücken Reggio
Das sind keine Bogenbrücken, sondern Schrägseilbrücken.

 

Auf den ersten Blick erscheinen die Brücken als Bogenbrücken. Sieht man jedoch genauer hin, handelt es sich bei diesen Bauwerken jedoch um Schrägseilbrücken aus hohen dünnen Bögen mit Stahlseilgeflecht. Der typische Stil von Santiago Calatrava verwirklicht sich in diesen Bauwerken, indem sich statische und dynamische Elemente miteinander verbinden.

Fast meint man, die Brücke käme wie eine Wasserfontäne aus dem Boden heraus.
Fast meint man, die Brücke käme einer Wasserfontäne gleich  aus dem Boden heraus geschossen.

 

Stahlseilkonstrukion dieser Schrägseilbrücken von Reggio Emilia.
Stahlseilkonstrukion dieser Schrägseilbrücken von Reggio Emilia. Deutlich zu sehen: es handelt sich hier um 3 Brückenbauwerke.

Von der Autobahn in Richtung Reggio Emilia kommend sollte man unbedingt eine der Ausfahrten nehmen um Calatravas Brücken von unten oder seitlich betrachten zu können. Erst so erkennt man die Dynamik und Schönheit dieser einzigartigen Architektur. Die findet man übrigens auch in Venedig. Die 4. Brücke über den Canale Grande ist ebenfalls von Calatrava entworfen worden.

Es zahlt sich  aus, in Reggio Emilia Pause zu machen, den Abend abzuwarten, um die Brücken in beleuchtetem Zustand zu fotografieren oder einfach nur zu betrachten. Dann scheinen sich diese nämlich über die Poebene zu erheben und regelrecht  über Reggio zu schweben. Dann wird die Leichtigkeit dieser Stahlseilkonstruktion erst wirklich sichtbar.

Tipp: Wer noch eine Ausrede sucht, um nicht nur der Calatrava-Brücken wegen eine Übernachtung in Reggio Emilia einzuplanen, darf hier ein kulinarisches Argument verwenden. Die Stadt ist Zentrum der Barilla Nudeln und der gefüllten Teigtaschen (Ravioli), für die Italien bekannt ist. Und Reggio liegt mitten in der Region des Parmaschinkens (Prosciutto di Parma).

Weiterführende Links: Artikel bei Floornature, über Brücken von Bernd Nebel, und die Webseite des Architekten Santiago Calatrava selbst.

Titelfoto: canonclubitalia.com

 

 

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