Einmal Grado und zurück

Man sagt, wer 12 Jahre lang immer wieder an den selben Ort auf Urlaub fährt, dem wird der Urlaubsort zur zweiten Heimat. So lange benötigt es nämlich, bis man eine emotionale Bindung an einen bestimmten Platz aufbaut. Ihn mit Erlebnissen und Gefühlen zu seinem „Eigentum“ macht.

Und wie es mit vertrauten Orten so ist, entgehen einem meist dabei die interessanten Plätze. Weil sie eh am Weg liegen. Weil sie eh immer da sind. Und man sie irgendwann einfach nicht mehr bemerkt. Das gilt für Daheim genauso, wie für den vertrauten Urlaubsort.

Vertraut und doch so neu

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Buchstäblich links liegen lässt man Barbana, die Wallfahrtskirche auf der Insel in der Lagune von Grado.

Ähnlich ergeht es einem auf der Fahrt nach Grado im Friaul. Dort liegen Orte am Weg zur „Goldenen Insel“, wie Grado auch genannt wird, die man meist links liegen lässt. Weil man eben durchfährt und nur das Ziel vor Augen hat. Dabei ist doch der Weg das Ziel. Und Wege hin zu ganz besonderen Plätzen rund um die Lagune bei Grado lassen sich beispielsweise von Belvedere aus bestens erkunden.

_DSC8866_altstadtDer auf einer Sanddüne im 2. Jahrhundert vor Christus  erbaute römische Hafen von Grado glänzt heute mit seiner typischen Altstadt. Grado wurde später, vor 150 Jahren, von den Habsburgern zum Kurort ausgebaut und erschlossen. Behielt aber das Aussehen einer Festungsanlage.

Heute versprühen die engen Gassen, die dicht aneinender gereihten Steinhäuser mit ihren Aufgangstreppen, Türen und Fensterläden aus Holz, und dazu die vielen Blumen einen ganz besonderen Charme. Grado schimmert zu jeder Jahreszeit in goldenen Farbtönen. Das macht hier das Licht, das vom Stein der Bauwerke gebrochen wird. Das macht die Sonne, deren Strahlen sich im Flachwasser der Lagune spiegeln.

Espresso und Fischernetz

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Espresso – Niemand kann ihn so zubereiten, wie es die Italiener tun. Kurz, schwarz und süß.

Diese Altstadt lädt zum abendlichen Bummeln und einem Restaurant-Besuch ein. Hier isst man am besten landestypisch Fisch in allen Variationen. Oder man trinkt in einem der Cafés den im Friaul üblichen Espresso. Schwarzer dunkler Kaffee, kurz gebrüht, ganz wenig davon in der Tasse und doch vollmundig süß.

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Hautnah die Fischerei erleben, im Hafen von Grado. Die Gradeser waren immer schon Fischer.

An die Altstadt Grados schließen  der Fischerhafen und die Marina an. Der als vielleicht Letzter seiner Art an der Oberen Adria gelten kann. Hier wird noch der Fang ausgeladen, die Netze liegen sortiert und zusammengelegt am Kai. Ein Bild, das man sich einprägen sollte. Und mit einem frühmorgendlichen Besuch, wenn die Boote anlegen und ausladen, verbinden kann.

So verlieren doch immer mehr Küstenorte im Friaul und Veneto diesen ursprünglichen Broterwerb ihrer Bewohner. Beispielsweise gibt es keine Markthalle mehr in Caorle, wo frisch gefangener Fisch am frühen Morgen versteigert wird. Die Fischerboote in diesem Urlaubsort stehen zur Dekoration (!) im Hafen und werden dafür von der Stadt bezahlt. In Grado ist das anders. Hier gibt es noch die Erwerbsfischerei, für die die Obere Adria so bekannt ist.

Wallfahrten in der Lagune

Zur Insel der Wallfahrtskirche Barbana gibt es auch religiöse Prozessionen mit dem Boot.
Zur Insel der Wallfahrtskirche Barbana gibt es auch religiöse Prozessionen mit dem Boot.

Wem die Stadt Grado zuviel wird, kann Ausflüge an bedeutende historische und kulturelle Stätten rund um die Lagune unternehmen.

Da gibt es beispielsweise eine Wallfahrtskirche  auf einer Insel: „Santa Maria di Barbana“. Mitten in der Lagune und nur mit dem Boot erreichbar ist sie heute Sitz der Franziskanermönche. Der markante Turm der Kirche ist weitum sichtbar. Wie eine Landmarke hilft er bei der Orientierung in der Lagune. Die Insel Barbana erreicht man mit einer kurzen Bootsfahrt durch den Canale della Schiusa.

Antike durch und durch

Einzigartige Mosaike in der Basilika von Aquileia.
Einzigartige Mosaike in der Basilika von Aquileia.

Was einem in der Altstadt von Grado schon aufgefallen war, wird sich bei einem Besuch des antiken Aquileia bestätigen. Denn Grado war im 5. und 6. Jahrhundert eine Festung. Die Bischöfe von Aquileia fanden hier Schutz vor den einfallenden Barbaren und den Gefahren des Meeres. Reste dieser wuchtigen Mauern zeugen noch heute in Grado von dieser Vergangenheit.

Aquileia ist UNESCO-Weltkulturerbe. In der Basilika mit dem markanten Glockenturm findet man ein einzigartiges Dokument der Mosaik-Kunst. Wie es sich für eine römische Stadt gehörte, waren die Böden der Herrenhäuser mit aufwändigen Mosaikmustern  gepflastert. Sie können in der Basilika bestaunt werden.

Reste des römischen Marktplatzes der antiken Metropole Aquileia.
Reste des römischen Marktplatzes der antiken Metropole Aquileia.

Aquileia hatte vermutlich am Ende der Kaiserzeit an die 100.000 Einwohner. Es war die viertgrößte Stadt des römischen Italiens, und die neuntgrößte Stadt des römischen Reiches überhaupt. Aquileia wurde von Attila, dem Hunnenkönig, 452 n. Chr. zerstört.

Bestens mit Radwegen erschlossen ist die historische Anlage von Aquileia. Hier im Hintergrund der Turm der Basilika.
Bestens mit Radwegen erschlossen ist die historische Anlage von Aquileia. Hier im Hintergrund der Turm der Basilika.

Die Überreste des römischen Aquileias findet man ausgestellt rund um die Basilika. Das gesamte Ausgrabungsgelände ist bestens zu Fuß oder mit dem Rad erlebbar. Gleich neben der Hauptstraße, die man in Richtung Grado nimmt, stehen noch die Säulen des römischen Marktplatzes (Forum). Ein Blick zur Seite lohnt sich.

3 Sterne, 9 Spitzen

Wer am Weg nach Grado unterwegs ist, wird Palmanova durchfahren. Die Stadt weist einen Stern förmigen Grundriss auf. Jeder der 3 Sterne verfügt über 9 Spitzen und sie sind ineinander vollkommen symmetrisch angelegt. Der innere Stern bildet den verbauten städtischen Raum. Zwei äußere Sterne werden von Befestigungswällen gebildet, welche die Stadthäuser (den inneren Stern) umschließen.

Palmanova entspricht dem Konzept einer idealen Stadt zur Zeit der Renaissance. Die Stadt war eine Befestigungsanlage der Venezianer. Wer sich für Militärarchitektur interessiert, muss einfach Palmanova gesehen haben. Denn nur 3  Tore gewähren Einlass ins Innere dieses Festungsbaus.

Der sechseckige Platz im Zentrum wird von zwei- bis dreistöckigen Renaissancehäusern gesäumt, die über einen Laubengang verfügen. Dieser spendet Schatten, sodass man sich auch bei sommerlicher Hitze im Freien aufhalten kann.

Filmkulisse

Camping Belvedere Pineta. Ein zentral gelegener Platz für viele Ausflüge in der Lagune von Grado, in einem PInienwald gelegen.
Camping Belvedere Pineta. Ein zentral gelegener Platz für viele Ausflüge in der Lagune von Grado, in einem PInienwald gelegen.

Wer für seinen Aufenthalt in Grado den Campingplatz Belvedere Pineta wählt, muss sich dessen bewusst sein: Hier betritt man historischen Boden. Denn das Areal gehört zum Herrengut Belvedere, das man bei der Zufahrt zum Campingplatz durchquert.

Belvedere: Morbide Schönheit, nicht toskanisch, sondern friulanisch.
Belvedere: Morbide Schönheit, nicht toskanisch, sondern friulanisch.

Die Villa ist im typisch venezianischen Stil erbaut. Das gesamte Gebiet war aber schon in der Römerzeit als Siedlung bekannt.

Die Innenausstattung der Kapelle von Belvedere wurde von bekannten venezianischen Künstlern (Guardi und Morlaiter) gestaltet. Das Gut gehörte im 19. Jahrhundert der Familie Colloredo und wurde 1882 der Familie Fior verkauft.

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Belvedere beflügelt die Fantasie. Landgut, das Filmkulisse sein könnte. Die Treppe führt hinauf zur Kapelle.

Belvedere präsentiert sich dem Besucher wie eine schaurig-romantische Filmkulisse mit historischer Tragweite. Und das am Eingang zum Campingplatz. Wenn so eine Kulisse nicht die Fantasie beflügelt, welche dann?

Viele Ziele

Weitere Ausflugsziele in die Umgebung von Grado sind u.a. die Burgen in Strassoldo (bei Aquileia); Clauiano (bei Palmanova), eines der besterhaltenen mittelalterlichen Dörfer im Friaul; Aiello (bei Cervigniano), das Dorf der Sonnenuhren.

Geführte Tauchgänge in der Lagune runden mit Schifffahrten nach Monfalcone, den Meereswasser-Thermen und dem Golfclub von Grado das Alternativprogramm zum Badeurlaub ab.

Übrigens sind Radfahrer willkommen in der Region von Grado. Viele Ausflugsziele sind mit dem Rad bequem erreichbar. Das Wegenetz ist perfekt ausgebaut. Grado ist auch ein exzellentes Urlaubsgebiet für Radfahrer jeden Alters.

Alles in Allem kann man sagen: Einmal Grado und zurück geht sich nicht bei einem Mal aus. Man muss schon öfter kommen, immer wieder die Lagune und ihr Umland erkunden. Und wird dabei jedes Mal Neues entdecken. So als hätte es die erste Fahrt nach Grado nie gegeben.

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