Frankreich: Günstig reisen in den 90er Jahren

Als Studentin wollte ich günstig reisen. Unterkünfte sollten billig sein, weil unterwegs war ich mit dem Auto. So machte ich meine ersten Erfahrung mit Camping, Zelt, Gaskocher und Schlafsack. Eine der ersten günstigen Reisen dieser Art führte mich in den 1990er Jahren nach Frankreich und an die Costa Brava.


Mein Ziel: Llorett de Mar an der Costa Brava. Freunde wollte ich dort besuchen, die bei mir das Skifahren gelernt hatten. Und die Gelegenheit nützt man, sich auf der Fahrt dorthin Südfrankreich anzusehen.

Camping am See

Die Schweiz war schnell durchfahren, abends der Campingplatz in Annecy rasch gefunden. Das Zelt konnte ich auch noch direkt am Ufer aufstellen um am nächsten Morgen mit ein paar Schritten im Wasser zu sein. Derart gestärkt, genoss ich das Frühstück vom Gaskocher, mein erstes richtiges Campingfrühstück überhaupt, und machte mich auf in unbekanntes Terrain. Frankreich, ich komme!

Die Ausläufer der Westalpen durchquerte ich  zwischen Grenoble und Valence. Grandiose Landschaft mit Kalkbänken und schluchtartigen Durchfahrten.

Günstig reisen: Ravioli aus der Dose

Von Valence ging es in Richtung Le Puy-en-Velay. Noch heute habe ich diese Route in bester Erinnerung. Denn mittags fand ich einen aussichtsreichen Rastplatz. Holte Campingtisch und Sessel samt Kocher aus dem Auto. Und bereitete mir Ravioli aus der Dose. Mitten in Frankreich. Ja, ich erinnere mich noch genau an dieses Mittagessen!

Dann führte mich meine Tour zum Ursprung der Loire. Jenes Flusses, dessen Schlösser im Unterlauf so berühmt sind. Hier aber entspringt die Loire inmitten des Zentralmassivs. Die Landschaft ist Canyon artig eingeschnitten. Und am Campingplatz war es saukalt und nass. Denn während der Nacht regnete es fürchterlich. Ich hatte schon Bedenken, mitsamt Zelt und Schlafsack davon zu schwimmen.

Dieses Erlebnis prägte sich mir dermaßen ein, dass ich Jahrzehnte später, in meiner ersten Nacht im Wohnmobil, noch dran denken musste. Und vorsichtig um mich blickte, ob denn nicht irgendwo Wasser eindringt. Der Wolkenbruch erinnerte mich an die kalte nasse Nacht an der Loire.

Großer Hund in Frankreich

Am nächsten Tag  konnte meine Entdeckungsreise durch Südfrankreich weiter gehen. Nun wartete die nächste Überraschung auf mich. Über Mende ging es nach Rodez. Ein Kaff mitten in den Bergen. Mittelalterliche Anlage, Steinhäuser, ein gepflasterter Platz, eine Kirche. Und vor mir ein Bauernmarkt.

„Hier mache ich Mittag, hole mir französische Jause mit Salami, Brot und Käse“, dachte ich. Und stellte den Wagen auf den Parkplatz neben der Kirche ab. Ich wollte gerade den Schlüssel abziehen und mit Geldbörse bewaffnet aussteigen, da bemerkte ich einen großen blonden Hund, der laut bellend auf mich zustürmte. Es musste ein Exemplar eines französischen Hirtenhundes, eines Briards, gewesen sein. Denn mich starrten zwei Hundeaugen durch die Autoscheibe an. Und das Vieh erschien mir wie ein Kalb.

Da steigst du jetzt nicht aus! Reflexartig sperrte ich die Autotür ab und saß nun da. Hungrig, bewacht von einem Hirtenhund, mitten in Frankreich. Mit der Überlegung: „Große Hunde fressen einen nicht, die Kleinen sind die Beißer. Oder bleib ich jetzt hier sitzen und hoffe auf Rettung?“ Ich wollte nicht in Rodez enden.

Gott sei Dank musste jemand vom Markt drüben gepfiffen haben. Denn das Kaliber von Hund ließ plötzlich von mir ab und rannte hin zu seinem Herrl. Ich war unendlich erleichtert, stieg rasch aus und eilte zu den schützenden Marktständen. Mein Mittagessen war gerettet.

Vulkane und Burgen

Übrigens zeichnet sich genau dieser Teil von Frankreich durch eine sehr abwechslungsreiche Vulkanlandschaft aus. Heute würde ich nicht so schnell diese Region durchfahren und mich länger in der Auvergne aufhalten. Rund 40 Kilometer südlich von Clermont-Ferrand mein Lager für ein paar Tage aufschlagen und dort den Ausblick auf das Zentralmassiv genießen.

Am Weg zur Costa Brava lag dann noch die Festungsanlage Carcassonne, südlich von Toulouse. Von der Autobahn aus sieht man sie mit ihren vielen Türmen und Zinnen empor ragen. Sie bildet quasi den Abschluss einer Fahrt durch eine Landschaft mit zahlreichen Burgen und kleinen mittelalterlichen Dörfern, von denen das Weltkulturerbe die Stadt Albi am Tarn hervorzuheben ist.

Ich ließ Carcassonne hinter mir und schlug nun den Weg in Richtung Perpignan ein. Die Ausläufer der Pyrenäen beeindrucken hier wieder mit landschaftlicher Schönheit. Nochmals einen Halt an der Küste einzulegen, zahlt sich hier aus. Und den Urlaub mit Bergen und Meer hier zu verlängern.

Es gibt schöne Campingplätze bei Perpignan und man findet perfekte Ausflugsziele wie die Burgen der Katharer, die Festungsstadt Villefrance und bei Collioure eine sensationelle Felsenküste.

Buchten an der Costa Brava

Zum Abschluss meiner Tour verbrachte ich 2 Wochen in Blanes, südlich von Llorett de Mar, bei Freunden eben. In ihrer unmittelbaren Nähe gab es damals eine private Badebucht, zu der man über die Felsen hinunter steigen musste.

Heute würde ich das Venedig Spaniens, Empuriabrava, anpeilen. Einerseits wegen des schönen Strandes und andererseits, weil man von dort schnell im katalanischen Hinterland ist. Bei den Einheimischen und ihren Restaurants, und ihrer rustikalen Küche. Oder aber ich genieße Sonne, Strand und Meer in einer der für die Costa Brava so typischen Buchten, in St. Antoni de Calonge.

Hundemüde ins Zelt

Zur Rückfahrt sei noch zu sagen: Damals fuhr ich am Stück von Blanes bis nach Annecy. Purzelte hundemüde dort am Campingplatz ins Zelt und musste in der Dämmerung dieses noch aufbauen. Völlig geschafft von der langen Fahrt lag ich im Schlafsack, da meinen Magen die am Vortag zu groß gewählte Portion Miesmuscheln noch quälte.

Heute würde ich das nicht mehr tun, und zumindest in Frankreich noch einmal Quartier aufschlagen. Irgendwo an der Küste. Weil dieses Südfrankreich einfach zum längeren Verweilen einlädt. Und man an den Campingplätzen wirklich günstig Urlaub machen kann.

 

Ein Gedanke zu „Frankreich: Günstig reisen in den 90er Jahren“

  1. Letztendlich muss man sich genau überlegen, worauf man im Urlaub wert legt und damit die Preise der Anbieter vergleichen. Auf diese Weise findet jeder etwas passendes, was auch preislich bezahlbar ist.

Kommentar verfassen