Gruselkabinett

Wo andere Menschen baden und am Strand entspannen, darf man auch einen Abstecher ins Hinterland machen. Istrien bietet nämlich viel Gruseliges abseits der Touristenpfade.

Dvigrad war einst eine blühende Stadt. Ihre Bewohner trieben Handel weitum ins Land und aufs Meer hinaus. Und sie bestand seit dem Frühmittelalter.

Die Handelsstadt Dvigrad wurde von ihren Bewohnern im 17. Jahrhundert aufgegeben.
Die Handelsstadt Dvigrad wurde von ihren Bewohnern im 17. Jahrhundert aufgegeben.

„Dva“ bedeutet auf kroatisch „zwei“. Und „grad“ heißt „Burg“ oder „Stadt“. Also erzählt der Name schon etwas über die Gründung von Dvigrad. Dieses entstand nämlich aus 2 Burgen. Aus 2 Festungen, mit Namen Parentino und Moncastello. Im 9. Jahrhundert wird Dvigrad erstmals urkundlich erwähnt.

Nur noch Reste stehen heute von der Basilika in Dvigrad.
Nur noch Reste stehen heute von der Basilika in Dvigrad.

Später fiel es Plünderungen und Zerstörungen zum Opfer. So wüteten im 14. und 15. Jahrhundert die Genueser und Venezianer in Dvigrad.  Pest und Cholera suchten ebenfalls die Bewohner heim. Als jedoch im 17. Jahrhundert die Malaria in Dvigrad ausbrach, überlebten nur 10 Prozent der damals 700 Bewohner. Diese gaben daraufhin ihre Stadt auf und  siedelten sich im nahegelegenen Kanfanar an.

Menschliche Überreste aus dieser Zeit findet der aufmerksame Besucher in den Ruinen. Wer genau hinsieht, wird in einem Fensterrahmen menschliche Knochen finden. Es sind Überreste eines Kindes. Ist dieses gar vor hunderten von Jahren an der Pest gestorben?

Gruselkabinett, Dvigrad
Man kann auch menschliche Knochen in den Ruinen-Häusern von Dvigrad finden. Ein richtiges Gruselkabinett.

Wer heute Dvigrad besucht, wird rund 200 Häuserruinen und die Ruine der Basilika zur Heiligen Sofie vorfinden. Viele der Ruinen liegen im Wald und sind bereits von der Natur zurück erobert worden. Einen Lageplan der ursprünglichen Anlage gibt es im Imbissstand neben dem Parkplatz zu diesem Kulturdenkmal zu sehen.

Ein Vampir geht um

Im kleinen Dörfchen Kringa geht es gruselig zu. Dort soll ein Vampir, mit Namen Jure Grando, sein Unwesen getrieben haben. Jure war Bauer in Kringa und gilt als erster schriftlich belegter Vampir. 16 Jahre nach seinem Tod soll Jure 1672 aus seinem Grab gestiegen sein, um sein Heimatdorf zu terrorisieren.

Ein Vampir ging um in Kringa.
Ein Vampir ging um in Kringa.

Der Gelehrte Johann Weichold von Valvasor berichtet nämlich, dass ein Untoter in Kringa umgehe und an die Haustüren in der Nacht klopfen würde. Dieser würde den Frauen der Bauern im Dorf nachstellen und sie ohne ein Wort zu sprechen „würcklich beschlaffen“, die „Weiber bekriechen“.

Valvasor schrieb diese Geschichte einem Aberglauben zu, um die Männer von Kringa vom Ehebruch abzuhalten. So erzählte man, wenn jemand in der Nacht an die Tür klopft, dann würde ein paar Tage danach jemand aus den Häusern sterben, an deren Türen geklopft wurde. Also hätten die Kringa Bauern sagen können: Der Untote habe diese Menschen gefressen. Und man hätte den moralischen Zeigefinger über die Ehebrecher erheben können.

Im Vampir-Café lebt die Story über Jure Grando wieder auf.
Im Vampir-Café lebt die Story über Jure Grando wieder auf.

Ruhe war erst dann eingekehrt, wurde der Vampir oder Untote gepfählt. Dieser Brauch fand rege Anwendung auch in Istrien. Und auch dem Jure Grando sein Leichnam war ein solches Schicksal beschieden. Die 9 Männer, die seine Überreste hätten pfählen sollen, verließ aber der Mut. Also schnitt einer von ihnen dem Leichnam den Kopf ab. Danach kehrte wohl wieder Ruhe ins verschlafene Kringa ein.

Die grausliche Geschichte lebt heute in Form des Vampir-Cafés „Caffe Bar Vampire“ im Ort wieder auf.  Dieses ist wohl auch das einzige Lokal in diesem Kaff. Und es zieht einen mit Vampir-Darstellung, einem teuflisch rotem Ambiente und teuflisch alkoholischen Cocktails in den Bann. Besucher sollten sich um einen nüchtern bleibenden Fahrer bemühen. Will man dort in die Vampirgeschichte des Ortes tief hinabtauchen.

Mumien im Gruselkabinett von Istrien

Aber Istrien legt noch Einen drauf. Die größte Reliquiensammlung Kroatiens und eine der größten Europas liegt nämlich in Vodnjan. Dazu eine ordentliche Zahl an Mumien, also unverweste Körper. Ja, im stillen Vodnjan, das so beschaulich neben der Straße zwischen Bale und Pula liegt. Am Weg nach Fazana, wo Andere zum Badeurlaub fahren.

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Die Kirche von Vodnjan beherbergt 370 Reliquien.

Die 370 Reliquien, die in der Kirche zum Hlg. Blasius (Sv. Blaz) liegen,  ziehen jährlich Tausende von Pilgern an. Auch der Kirchenbau ist mit seinen 10 Altären sensationell. Mit dem 60 Meter hohen Kirchturm ist die Basilika Sv. Blaz der größte Sakralbau der Region. Der Turm ist weithin sichtbar.

Die Mumien, die noch ihre Originalkleidung zum Zeitpunkt ihrer Bestattung tragen, sind in gläsernen Sarkophagen ausgestellt.

Fazit

Istrien kann auch einen auf Gruselkabinett machen. Dieses Istrien sollte man unbedingt sehen. Eine Vergangenheit, die man nicht an den Badeorten, sondern nur im Hinterland finden kann.

Ein Gedanke zu „Gruselkabinett“

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