Olivenöl – Reichtum der Antike

Ein Namensstempel auf einem Gefäß zeugt von römischem Marketing. So praktiziert auch bei Amphoren, die der Aufbewahrung von Olivenöl dienten. Dieses Öl aus Istrien ging dann in den Export – ins Römische Reich.

Wir sind im 1. Jahrhundert in Fazana in Istrien. Olivenhaine  soweit das Auge reicht. Töpfereien stellen Amphoren her. Zweierlei Art: mit spitz zulaufenden Böden und mit flachen Böden. Die mit den spitzen Böden sind für Olivenöl vorgesehen, in den flachbödigen lagert der Wein.

Antike Exportwirtschaft

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Antike Amphoren zur Lagerung und dem Transport von Olivenöl sind in Pula im Amphitheater ausgestellt.

Die Amphoren-Werkstätten haben alle Hände voll zu tun. Denn das istrische Olivenöl ist in der Römerzeit begehrt.

Aufwändige Steinmühlen zerkleinerten damals die Olivenkerne. Denn das Öl fließt nicht aus dem Fruchtfleisch, sondern aus dem Kern. Um diesen zu zermahlen bedarf es Kraft und Masse. Die mannshohen Mahlsteine kann man heute im Olivenöl-Museum des römischen Amphitheaters in Pula sehen. Ebenfalls dort ausgestellt sind Amphoren, in denen das istrische Olivenöl ins gesamte Römische Reich exportiert wurde.

In der Antike war der gesamte Küstenstreifen ein Olivenhain. Heute wird neu aufgeforstet. Wie hier im Raum Fazana, gegenüber der Brionischen Inseln.
In der Antike war der gesamte Küstenstreifen ein Olivenhain. Heute wird neu aufgeforstet. Wie hier im Raum Fazana, gegenüber sieht man die  Brionischen Inseln.

Zentrum dieser antiken Olivenöl-Produktion war der Raum Fazana und Barbariga. Die zahlreichen Ausgrabungsfunde mit Stempeln auf Amphoren aus den antiken Werkstätten zeugen von regem Handel mit dem Olivenöl in der Antike. Und von reichen Besitzern der Ländereien, denen das Olivenöl Ansehen und Macht verlieh.

Olivenöl-Straße

Im nördlich von Fazana liegenden Bale befindet sich heute ein kleines Zentrum der istrischen Olivenölproduktion. Am Osteingang der Stadt, deren mittelalterlicher Kern einen ganz besonderen Charme versprüht, gibt es ein Olivenöl-Museum. Dieses zeigt die Produktionsmethoden aus den 1930er Jahren.

Heute ist hochwertiges Olivenöl in Istrien Handarbeit. Viele kleine Familienbetriebe können besichtigt werden und bieten ihre Öle zum Verkauf an. Damit man sich als interessierter Reisender in Istrien bei der Auswahl des Olivenöl-Betriebes leichter tut, hat der kroatische Tourismusverband dazu eine „Olivenöl-Straße“ eingerichtet. Eine Mitgliederliste kann online abgefragt werden. Dann steht einem Besuch bei einem der Olivenölproduzenten nichts mehr im Wege.

Am Stadtplatz von Bale, in einer kleinen Seitengasse, wohnt die Familie Lupic. In deren Shop „Bembo“ können verschiedene Sorten des hauseigenen Olivenöls verkostet werden. Und man sieht die modernen Stahltanks, in denen das Öl von den Feldern reift.

Bei Bembo kann man Olivenöl aus eigener Produktion kosten. Es gibt auch getrocknete Feigen und Trüffelprodukte.
Bei Bembo kann man Olivenöl aus eigener Produktion kosten. Es gibt auch getrocknete Feigen und Trüffelprodukte.

Die Produktion von Olivenöl wird heute in Istrien wieder belebt. Denn viele Olivenhaine wurden seit den 1950er Jahren aufgelassen, werden nicht mehr bewirtschaftet. So ist die istrische Küste, die in früheren Jahrhunderten ein einziger großer Olivenhain war, heute wieder zu roden. Viele Gärten müssen neu angelegt werden. Die zahlreichen Neuanpflanzungen an Olivenbäumen zeugen von dieser Tätigkeit. Man sieht diese entlang der Straßen im gesamten westlichen und südlichen Bereich von Istrien.

Olivenöl braucht Zeit

Bis dann ein Baum Ertrag bringt, vergehen wieder rund 10 Jahre. Olivenöl produzieren ist wie Wein keltern. Es benötigt Zeit, Zeit und nochmals Zeit. Gepaart mit viel Liebe zum Detail und persönlichem Einsatz. Olivenöl bester Qualität ist alles andere als Massenproduktion, betont man im Hause Lupic. Sie selbst begannen mit Anpflanzungen vor rund 15 Jahren und produzieren derzeit gerade mal eine Menge, die zum Verkauf in einem Shop sich lohnt. Der wahre Ertrag wird erst kommen, in den nächsten Jahren, wenn nicht Jahrzehnten.

Zahlreiche junge Olivengärten zeigen: Istrien entdeckt seinen Reichtum erst wieder.
Zahlreiche junge Olivengärten zeigen: Istrien entdeckt seinen Reichtum erst wieder.

Um Ausfälle infolge Wetter oder Schädlingsbefall zu vermeiden, erklärt man uns im Hause Bembo, lägen in verschiedenen Gegenden die hauseigenen Olivengärten. So verteilen sich rund 1800  Olivenbäume auf ein größeres, nicht zusammenhängendes Gebiet. Aktuell arbeitet man an rund 1000 Neuanpflanzungen im Umland von Bale.

„Truffel meets Oil“

Das Olivenöl in Istrien wird auch gerne mit der Weißen oder Schwarzen Trüffel kombiniert. Ein derart aromatisiertes Öl ist eine Delikatesse. Und bereichert die Kulinarik der Region.

In kleinen Mengen gibt man es auf Pasta oder Gemüse-Fleischgerichte. Trüffel-Öl ist ein Gewürz, ein besonderes Gewürz aus Istriens Natur. Hier treffen sich Küste und das Hinterland rund um Motovun und Buzet. Die Olive vereint sich mit den Trüffeln des Landes.

Unser Tipp für Olivenöl-Fans: Einfach durchkosten, zu den Olivenöl-Produzenten fahren, sich zeigen lassen und danach wählen. Die meisten unter ihnen sprechen perfekt Deutsch oder Englisch. Manche Italienisch sogar.

Bester Ausgangspunkt für eine solche Olivenöl-Reise: Camping Bi Village in Fazana oder Camping Colone bei Bale. Von dort kann man auch öfter mal die Altstadt von Bale besuchen. Denn diese besticht durch tolle Restaurants und ein kulturelles Nachtleben mit Konzerten am Stadtplatz.

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