Ne, hvala…und muss aber doch… – Ein Kommentar

IMG_0697„Nein, ich will nichts kosten. Danke, ich kenne Olivenöl und Trüffeln“. Als ob meine Ablehnung überhört wurde, dreht die rustikale Mamma vor mir den Veschluss herunter und hält mir ihr Trüffelöl unter die Nase. Quasselt dabei etwas von „echter Trüffel“ und „teurer Trüffel“ und dass nur hier die echten weißen Trüffeln wachsen und überhaupt. Öl, Trüffel, alles rein istrisch. Ich nicke nur und sage „ne, hvala“, in der Hoffnung, sie möge damit aufhören. Dringe aber mit meiner Ablehnung einfach nicht zu ihr durch.

Überall im Land finden sich an den touristischen Aussichtspunkten Verkaufsstände für lokale Produkte. Das sind Olivenöl, Lavendelkissen, Schafkäse, Honig und Trüffelpasten. Dazu kommen noch Biska, Grappa und der Likör aus der Terrano-Traube. Schwer und süß. Und als ob diese Angebotsfülle nicht schon genug wäre, erschlagen einen die Angebote zum Probieren der Verkäufer an den Ständen. Überall soll man kosten, und dann natürlich kaufen. 100 Kuna für ein Stamperl Olivenöl, in dem eine hauchdünne Scheibe weißer Trüffel schwimmt. Na Servas. Hab i an Geldscheisser?

Selbst Schuld, denke ich mir. Was treibst du dich auch auf den üblichen Sightseeing-Routen herum. Kein Kroate wird sich an solchen Ständen mit Oliven, Öl, Biska und Käse eindecken, denk ich mir still. Die kaufen das Zeugs bestimmt auch bei ihrem Bauern ums Eck. Und nicht hier, wo die ausländischen Kennzeichen kurz stehen bleiben. Deren Insassen auf den Turm raufklettern, um ein Foto von einem Fjord zu schießen. Welches die wahre Dimension des Ortes gar nicht darzustellen vermag. Dabei sollte man froh sein, nicht auch noch für den Turmblick zahlen zu müssen. Denn an manchen dieser Dinger steht: „Gratis Panorama!“

Unter solchen Türmen dann meist ein Verkaufsstand mit Schnaps, wo man dich abzufüllen versucht und dir Grappa oder anderes Alkoholisches verkaufen will. An einem solchen Ort sah ich sogar ein Schild, dass man nur 15 Minuten parken darf. Danach wird man angezeigt und abgeschleppt. Fast-View und Fast-Shopping auf kroatisch, oder?

Na gut, ein kleines Trüffel-Öl-Fläschchen nehme ich mit. Als Geschenk, für die Nachbarin. Weil die während meiner Abwesenheit auf meinen Garten achtete. Und etwas Trüffelpaste dazu, weil sie so gut schmeckt, zur istrischen Pasta. Schwupps, schon sind 300 Kuna wieder weg und ich bekomm‘ ein Lavendelsäckchen obendrauf.

– Angelika Wohofsky

Immer diese Anmache – Ein Kommentar

IMG_0697Immer dieses fremde Leute anquatschen. Das konnte ich als Kind schon gut und hab sie dann mit nachhause genommen. Meinen Eltern vorgestellt. Daraus erwuchsen teilweise lebenslange Freundschaften. Und das international.

Also kann ich heute noch nicht den Mund halten, wenn ich jemanden treffe. Und so quatschte ich eine deutsche Urlauberfamilie in Dvigrad an. Mitten im istrischen Busch, im Outback. Wo sich Fuchs und Hase einander Gute Nacht sagen. Dvigrad, das ist die Geisterstadt, die verlassene mittelalterliche Anlage, die nun im Wald vor sich hin modert.

Oben beim Wehrturm fanden wir einander. Die Deutschen hatten eben menschliche Skelettteile zwischen den Ruinen gefunden. Wie gruselig. Und wir versuchten die Knochen zusammenzusetzen: „Das ist doch ein Schlüsselbein, und schau hier, ein Gelenk vom Ellenbogen. Ne lass mal, das ist ein Stück vom Kiefer.“

Was mich diesmal an meiner Kontaktaufnahme mit Fremden erstaunte: Die fuhren doch glatt mit. Die hatten Blut an meiner Tour geleckt. So verbrachten wir den Tag gemeinsam mit einem Besuch der Schlucht in Pazin und später im Vampir-Café in Kringa. Blutrote Wände gibt es dort und blutrote Cocktails auch. Die trauten wir uns jedoch nicht zu, weil die Beschreibung teuflisch klang: Vodka, Gin und allerlei Likör-Zeugs in ein Glas gekippt. Ne, danke. Nicht beim Autofahren.

Die Germans hatten den selben Weg zurück wie ich. Also ging es abends noch in die Jazz-Bar von Bale. Weil es dort so lässig sitzen ist, unter einer Laube aus Wein. Und das Essen mundete obendrein. In einer Bar im mittelalterlichen Ambiente, die eher wie ein Verschnitt aus Hippie-Kiffer-Kneipe und Musiker-Café aussieht. Zusammengewürfelt, regenbogig bunt. Der Besitzer ein Kroate, der lange Zeit in Amsterdam lebte. Klar, das sieht man.

Wir fanden es lustig und überlegten kurz, für ewig hier sitzen zu bleiben. An dem rustikalen Tisch und den Bänken aus antikem Marmor. Und uns noch eine Flasche Wein kommen zu lassen, für süffig leichten Gespritzten.

Zum Abschied reichten wir einander die Hände. Blödsinn, die Visitenkarten natürlich. Man begegnet sich schließlich mindestens zweimal im Leben, sagt ein altes Sprichwort.

– Angelika Wohofsky

 

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