Immer diese Anmache – Ein Kommentar

IMG_0697Immer dieses fremde Leute anquatschen. Das konnte ich als Kind schon gut und hab sie dann mit nachhause genommen. Meinen Eltern vorgestellt. Daraus erwuchsen teilweise lebenslange Freundschaften. Und das international.

Also kann ich heute noch nicht den Mund halten, wenn ich jemanden treffe. Und so quatschte ich eine deutsche Urlauberfamilie in Dvigrad an. Mitten im istrischen Busch, im Outback. Wo sich Fuchs und Hase einander Gute Nacht sagen. Dvigrad, das ist die Geisterstadt, die verlassene mittelalterliche Anlage, die nun im Wald vor sich hin modert.

Oben beim Wehrturm fanden wir einander. Die Deutschen hatten eben menschliche Skelettteile zwischen den Ruinen gefunden. Wie gruselig. Und wir versuchten die Knochen zusammenzusetzen: „Das ist doch ein Schlüsselbein, und schau hier, ein Gelenk vom Ellenbogen. Ne lass mal, das ist ein Stück vom Kiefer.“

Was mich diesmal an meiner Kontaktaufnahme mit Fremden erstaunte: Die fuhren doch glatt mit. Die hatten Blut an meiner Tour geleckt. So verbrachten wir den Tag gemeinsam mit einem Besuch der Schlucht in Pazin und später im Vampir-Café in Kringa. Blutrote Wände gibt es dort und blutrote Cocktails auch. Die trauten wir uns jedoch nicht zu, weil die Beschreibung teuflisch klang: Vodka, Gin und allerlei Likör-Zeugs in ein Glas gekippt. Ne, danke. Nicht beim Autofahren.

Die Germans hatten den selben Weg zurück wie ich. Also ging es abends noch in die Jazz-Bar von Bale. Weil es dort so lässig sitzen ist, unter einer Laube aus Wein. Und das Essen mundete obendrein. In einer Bar im mittelalterlichen Ambiente, die eher wie ein Verschnitt aus Hippie-Kiffer-Kneipe und Musiker-Café aussieht. Zusammengewürfelt, regenbogig bunt. Der Besitzer ein Kroate, der lange Zeit in Amsterdam lebte. Klar, das sieht man.

Wir fanden es lustig und überlegten kurz, für ewig hier sitzen zu bleiben. An dem rustikalen Tisch und den Bänken aus antikem Marmor. Und uns noch eine Flasche Wein kommen zu lassen, für süffig leichten Gespritzten.

Zum Abschied reichten wir einander die Hände. Blödsinn, die Visitenkarten natürlich. Man begegnet sich schließlich mindestens zweimal im Leben, sagt ein altes Sprichwort.

– Angelika Wohofsky

 

Wenn der Putz bröckelt – Ein Kommentar

IMG_0697Schon komisch. Wir fahren in Urlaub und finden genau jene Regionen besonders reizvoll, in denen der Putz von der Wand bröckelt. Wo es verfallen aussieht und wir uns in eine andere Zeit versetzt fühlen und stolz sagen: „Ach wie schön, das ist Unesco-Weltkulturerbe“. Und wir spazieren zwischen Ruinen und in verlassenen Ortschaften, sind der Meinung, das sei jetzt typisch Kroatien, das sei typisch Italien und so weiter.

Dabei zählen diese Regionen, wo offensichtlich Gebäude leer stehen und der sprichwörtliche Putz von der Fassade fällt, wirtschaftlich oft zu den ärmsten Gegenden des Urlaubslandes. Denn wer dort kann, geht weg, verlässt die Gegend. Um Arbeit in der Stadt oder im Ausland zu finden.

Darf ich also ungeniert meinen Urlaub in einer solchen armen Gegend verbringen? Ja, ich darf. Weil mein Geld, das ich dort ausgebe, Arbeit schafft. Arbeit jenen gibt, die in dem von mir gewählten Urlaubsort leben. Die dort ihre Leben aufbauen, ihre Existenzen und Familien gründen. Die dort bleiben und sich bemühen, anderen Menschen eine schöne Zeit zu bereiten. Erlebnisse vermitteln und die Infrastruktur erhalten. Vielleicht sogar alte Häuser renovieren und damit wieder instand setzen. Oder regionale traditionelle Produkte erzeugen und uns Urlauber an diesen teilhaben lassen.

Ja, ich darf in solchen Gegenden urlauben, ganz besonders dann, wenn ich auch meinen persönlichen Bedarf vor Ort decke, mit Produkten aus der Region. Und deswegen plädiere ich dafür, den Kühlschrank im Wohnmobil vor Ort zu füllen. Nicht aus Bequemlichkeit das Teil daheim zu bestücken, sondern von unterwegs aus. Im Gastland einkaufen und sich mit den lokalen Produkten gleichzeitig auseinander zu setzen. Diesen Respekt sind wir den dort lebenden Menschen einfach schuldig.

Schließlich urlauben wir ja in einem europäischen Land. Und auch in Kroatien, Italien, Frankreich oder Spanien gibt es Supermärkte. Dort einzukaufen bedeutet, den Arbeitsplatz der dort lebenden Menschen zu sichern.

Es ist doch bei uns dasselbe. Wer hier Gast ist und alles mitbringt und nichts konsumiert, was an guten Produkten wir hier erzeugen, dem stehen wir doch selbst kritisch gegenüber. Mögen wir selbst also einen solchen (sparsamen) Gast?

– Angelika Wohofsky

Wohnmobil-Camping-Urlaub Tipps von GEBETSROITHER

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