Speck, Berge, Wald und See – Urlaub in Kärnten

Rund um den Ossiacher See lassen sich landschaftliche Schätze entdecken. Ideal für einen Herbsturlaub, mit ein wenig See und vielen Bergen. Eine gute Gurktaler Jause darf dabei nicht fehlen.

Wenn man dort aufgewachsen ist, wo andere Urlaub machen, dann fallen einem die Schönheiten der eigenen Region nicht mehr auf. Auch mir erging es so. Erst seit ich aus Studiengründen Kärnten verließ, viele Jahre in einem anderen Bundesland und einer anderen Stadt lebte, war mir der Urlauber-Blick auf Kärnten wieder möglich geworden.

See zwischen den Bergen

Im August hatte ich im südlichsten Bundesland Österreichs zu tun. Campingplätze fotografieren, mir Destinationen ansehen. Eigentlich kenne ich das Bundesland in- und auswendig. Und trotzdem gelang es mir diesmal Straßen zu benützen, die ich bisher nicht (bewusst) befahren hatte.

Der Ossiacher See liegt ja beschaulich zwischen zwei Bergrücken gebettet. Im Norden erhebt sich die Gerlitze, auf die eine Seilbahn führt. Und die ein sommerliches Wandergebiet damit erschließt.

Diesen Berg kenne ich gut, war dort viele Winter während meiner Studienzeit als Skilehrerin tätig. Und denke noch heute gerne an die abschließenden Gondelfahrten am Ende der Saison zurück. An jene Gespräche, die wir Skilehrer während unserer letzten Talfahrt in der Saison führten: Ob es denn nicht besser wäre, statt ins nebelige Graz zum Studium nun nach Neuseeland zum Skilehrern weiter zu ziehen. Dieser blaue Himmel Anfang März, der See mit seinen Nebelschwaden unten im Tal. Der letzte Schnee oben auf der Kanzelhöhe. Das erzeugte furchtbares Fernweh – jedes Jahr, immer wieder.

Jugenderinnerungen

Im Süden, gegenüber der Gerlitze, ragen die Ossiacher Tauern auf und bilden die Grenze zum Wörthersee. Auf diesem Bergrücken, bei Köstenberg, liegt nicht nur eine großzügige Golfanlage. Auch Erinnerungen an das erste Verliebtsein knüpfe ich an diesen Ort. Die damals von meinem Schwarm erhaltene Postkarte bewahre ich noch heute fein säuberlich auf. Ist das jetzt romantisch?

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Paragleiten von der Kanzelhöhe. Die Kulisse bildet die Burgruine Landskron.

Auf ans Südufer!

Was mir aber nicht bewusst aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist, ist die Süduferstraße des Ossiacher Sees. Also nehme ich diese heute, biege nach der Kanzelbahn bei Annenheim in Richtung Burgruine Landskron ab. Und beobachte dort am Landeplatz, zu Füßen der Burg, die Paragleiter, die in Schwärmen von der Kanzelhöhe fliegen. Zu zweit im Tandem oder solo.

Manche ziehen große Kreise, andere spiralen sich in atemberaubender Geschwindigkeit herunter zum See. Die Gerlitze gilt in der Szene als beliebter Flugberg. Die Sportler werden hier mit einem einzigartigen Panorama belohnt.

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Das Steinhaus von Domenig: krasser Gegensatz zur bäuerlichen Architektur am Ossiacher See.

Carinthisch, bäuerlich, modern

In Gratschach/Sankt Andrä biege ich scharf nach links auf die L49. Das ist die Ossiachersee-Süduferstraße, die man im Normalfall nicht fährt, ist man am Weg von Villach nach Feldkirchen unterwegs. Hier beginnt also eine mir „neue“ Straße.

Traditionelle bäuerliche Architektur findet man an der Ossiachersee Süduferstraße.
Traditionelle bäuerliche Architektur findet man an der Ossiachersee Süduferstraße.

Die L49 verläuft nach wenigen 100 Metern wieder parallel zum Ufer des Ossiacher Sees, schlängelt sich durch kleine Ortschaften. Vorbei an den typischen Bauernhäusern der Region, mit ihrem schwarzen Holz und den weißen Mörtelfugen dazwischen. Diese bäuerliche Architektur steht in krassem Gegensatz zum modernen Steinhaus des Kärntner Architekten Günther Domenig auf der gegenüberliegenden Seeseite.

Stift Ossiach ist kulturelles Zentrum im Sommer.
Stift Ossiach ist kulturelles Zentrum im Sommer.

Nun noch ein paar Kurven, an den traditionellen Wegmarterln vorbei, und schon sehe ich Stift Ossiach. Zentrum des Carinthischen Sommers, dem weit über die Grenzen hinaus bekannten Musikfestival für Klassik, Jazz, Kirchenoper und Zeitgenössisches. Dieses Musikfestival findet jedes Jahr im August statt.

Hunger ist der beste Routenplaner

Vorbei am Stift verlasse ich das Südufer in Richtung Norden, hinauf zur Bundesstraße. Beschließe nun doch nicht in die Nockberge-Region zu fahren, sondern einen ganz besonderen Weg hinüber ins Gurktal zu nehmen. Ich gebe zu, mein knurrender Magen hatte bei dieser Routenwahl ein entscheidendes Wörtchen mitzureden.

Also fahre ich durch Feldkirchen, nehme nach der östlichen Ortsausfahrt die Abzweigung auf die B93, die Gurktal Bundesstraße. Und biege nach gut 100 Metern rechts ab in Richtung Steuerberg, Goggausee auf die L80.

Das ist eine Gegend, eine sehr ländlich verträumte Ecke Kärntens. Die man ebenfalls auf alltäglichen Wegen nicht bewusst wahrnimmt. Die Straße führt nämlich durch hügelige Landschaft hinein an den Fuß der Wimitzer Berge. Enge Ortsdurchfahrten und bäuerliche Kulturlandschaft prägen die Strecke. Und nach kurzweiliger Fahrt liegt der Badesee meiner Kindheit vor mir.

Der Goggausee ist nur 12 Meter tief. Sein dunkles grünes Wasser wird teilweise von Schwingrasen gesäumt. Das Ufer ist naturbelassen.  Der Badeplatz wurde familienfreundlich ausgebaut. Und ein Naturbadestrand befindet sich an seinem südwestlichen Ufer.

Gurktaler Luftgeselchter Speck und ein Glas Most dazu.
Gurktaler Luftgeselchter Speck und ein Glas Most dazu ist eine regionale Spezialität.

Speck, Speck, Speck

Ich halte diesmal nicht um zu baden. Fahre stattdessen zügig die von nach Pilzen duftenden Wald gesäumte Bergstraße hinauf auf den Zammelsberg. Dort oben habe ich ein Ziel: die Buschenschenke Hanebauer.

Dort gibt es luftgeselchten Speck und ein großes Glas Most. Kräftiges Sauerteig-Roggenbrot und Salami. Eine ordentliche Gurktaler Jause eben.

Der Seniorchef, Johann Kraßnig, erkennt mich sofort, als ich hungrig ankomme und mein Wohnmobil seitlich an die Straße parke. Wir haben uns viele Jahre nicht mehr gesehen. Er half Ende der 1990er Jahre mit, das Projekt „Gurktaler Luftgeselchter“  (ich war damals für Idee und Konzept verantwortlich) ins Leben zu rufen. Und er hat die Chance genützt, bewirtet heute unzählige Gäste aus ganz Kärnten mit seiner wunderbaren Jause. Macht Catering mit Speck und Salami und Brot bis nach Brüssel. Der Hanebauer hat es drauf, nach wie vor. Und sein Anwesen bietet einen wunderbaren Rundumblick auf die Berge der Region, die sich bei untergehender Sonne in verschiedene Blautöne verfärben.

Ob er Gäste aus Ossiach hat, frage ich ihn. Er nickt und meint, was er denn für Stellplätze tun müsse, um hier durchreisende Wohnmobilisten zu bewirten. Ich muss grinsen. Immer ein neues Projekt im Kopf, der Hanebauer.

Gegen Abend breche ich auf, fahre weiter hinüber ins Gurktal zur Familie. Eines bleibt jedoch nun fest in Erinnerung: Kärnten ist ein schönes Land. Man muss wohl Jahre fernbleiben, um die verborgenen Schätze dieser Region mit neuen Augen sehen zu können. Und Kärnten ist ein Urlaubsland für die ganze Familie.

Tipp: Die Campingplätze Morgenfurt und Terrassencamp Ossiach sind ein perfekter Ausgangspunkt für die hier beschriebene Erkundung der Region. Auf beiden Plätzen ist ein spontaner Herbsturlaub bis 26. September noch möglich.

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