Urbino, eine Zeitreise in die Renaissance

Kennt ihr den „Urbino Krimi„? Letztens ließen auch wir uns auf eine Folge dieser Serie  ein und begleiteten den Polizisten Roberto Rossi und seine charmante Rechtsmedizinerin Malpomena del Vecchio zur Leiche im Olivengarten.  Die Olivengärten, Weinberge und die Renaissance-Kulisse Urbinos holten uns beim Krimi Schauen ein. Da war es wieder, das Fernweh.

Italien ist ein Füllhorn an Geschichte. Mit insgesamt 51 Weltkulturerbe verfügt Italien auch weltweit über die meisten dieser geschützten Stätten in einem Land. Kein Wunder, wenn man während einer Reise durch den Stiefel quasi alle paar hundert Kilometer über ein UNESCO Welterbe stolpert.

Außerdem boomt Italien als Filmkulisse. Da werden die Donna Leon Krimis in Venedig verfilmt, der amerikanische Spielfilm  „The American“ drehte man in den Abruzzen u.a. in Castelvecchio und Castel del Monte. Alles Orte, an denen wir selbst schon waren.  Wer gerne an Drehorte bekannter Filme und TV-Serien reist, der kann sich übrigens am Blog von Andrea David inspirieren lassen.

Für uns steht jedenfalls fest: Renaissance total, die gibt es in Urbino. Wie sagte eine Facebook-Freundin unlängst:

„…eigentlich müsste da an jedem Stadteingang ein Stand sein, an dem man seine normalen Klamotten gegen mittelalterliche tauscht…Touris & – noch schlimmer Radler – sehen in moderner Kleidung in dieser alten Stadt immer so schaurig aus.“

Die Marken sind eine gepflegte und abwechslungsreiche Region Italiens.
Die Marken sind eine gepflegte und abwechslungsreiche Region Italiens. Hier der Blick von Urbino aus ins Umland auf die Olivengärten und Felder.

Gepflegtes Land

Wenn man die A14 von Norden (Rimini) kommt, nimmt man die Ausfahrt „Pesaro“. An dieser ist auch schon Urbino angeschrieben. Man folgt dann der SP423 für rund 32 Kilometer ins Landesinnere. Und fährt für rund 40 Minuten durch eine hügelige, recht bewaldete aber sehr saubere Landschaft.

In Urbino angekommen nimmt man am ersten Kreisverkehr die erste Ausfahrt, gefolgt vom nächsten, zweite Ausfahrt. Folgt der SS73bis, die um die Stadtanlage außen herum führt und einen direkt zur Piazza Mercatale leitet. Dort befindet sich eines der großen Stadttore, die Porta Valbona. Gleich daneben ein Parkplatz (gebührenpflichtig), auf dem man auch mit dem Wohnmobil stehenbleiben kann.

Stadttor Porta Valbona, Urbino.
Stadttor Porta Valbona, Urbino.

Direkt gegenüber von der Parkplatzeinfahrt befindet sich die Tourismusinformation und ein Lift, mit dem man die vier bis fünf Stockwerke hoch ins historische Zentrum von Urbino fahren kann.

Tipp: Es zahlt sich aus, den Lift zu benützen, da man im historischen Zentrum sowieso die teils steilen Gassen hinauf und hinunter laufen muss. Fuß marode Menschen sollten in der Tourismusinformation, wo man auch Deutsch spricht, nach den Abfahrtsorten und -zeiten des städtischen öffentlichen Busverkehrs fragen. Und diesen ebenfalls nützen. Das historische Zentrum verläuft aber eben und kann bequem begangen werden.

Wir selbst sind in die Altstadt über die Via Giuseppe Mazzini spaziert, und nahmen dann die Treppenanlage über die Scalette del Teatro zurück zum Parkplatz.

Säulengang im historischen Zentrum gegenüber des Palazzo Ducale di Urbino.
Säulengang im historischen Zentrum gegenüber des Palazzo Ducale di Urbino.

Zeitreise in Urbino

Das eingangs angeführte Zitat einer Facebook-Freundin holt den Urbino-Besucher spätestens an einem der Stadttore ein. Man fühlt sich nämlich wirklich zeitversetzt, in die Renaissance katapultiert. Weshalb? Urbino steht von der Substanz her genauso da, wie zu seiner Blütezeit im 15. Jahrhundert. Und setzt man sich ganz still in eine der Gassen, meint man, die alten Renaissance-Meister kämen die Straße herunter. Mit ihren Kleidern, wallenden Haaren und Hüten, diskutieren sie über Malerei und Literatur, oder über die neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse. In Urbino in einer Bar in der Altstadt zu sitzen bedeutet eine Zeitreise zu unternehmen: Zurück in die Renaissance.

Urbinos berühmtester Herzog war Federico da Montefeltro. Er förderte die Kunst und Literatur. An seinem Hof wirkten bedeutende Renaissance-Künstler. Unter ihnen auch Raffaels Vater, Giovanni Santi.

Überhaupt atmet in Urbino die Renaissance aus jeder Mauerfuge. Auch die Majolika, eine besonders feine Glasur von Keramikwaren, hatte ihren Ursprung in Urbino. Italien-Reisende stolpern über die Kunst der Majolika auch weiter im Süden, an der Amalfiküste, ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe. Wir haben über das Keramikmuseum in Ratio bei Vietri sul Mare bereits berichtet.

Auch das Botanik-Institut der Universität Urbino ist einem der alten Palazzi untergebracht.
Auch das Botanik-Institut der Universität Urbino (rechts)  ist in einem der alten Palazzi untergebracht.

Universitätsstadt

Doch nicht nur kulturell erblühte Urbino in der Renaissance. Auch mit der Gründung der Universität im Jahr 1506 wurde ein Meilenstein für die Wissenschaften gelegt. So zählt die 15.000 Einwohner Stadt heute rund 22.000 Studenten aus aller Herren Länder. Die Universität Urbinos, die bis 2006 Privatuniversität war und heute staatlich geführt ist, beherbergt 10 Fakultäten. Darunter finden sich Literatur, Philosophie, Erziehungswissenschaften, Sprachen, Soziologie, Politik-, Rechts-, Natur-, Sport-, Wirtschaftswissenschaften und Pharmazie.  An der Universität Urbino lehren 790 Professoren.

Den internationalen Flair Urbinos bemerkt man, wenn man sich in eines der vielen Restaurants und Bars in der Altstadt setzt und den Gesprächen an den umgebenden Tischen lauscht. Ins Italienische mischen sich dann lupenreines Englisch, amerikanisches Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch,… ein kunterbuntes interkulturelles Flair. Übrigens, viele Universitätsinstitute sind in den Palazzi untergebracht.

Statue von Meister Raffael in Urbino.
Statue von Meister Raffael in Urbino.

Stadt Raffaels

Dem vielleicht größten Sohn Urbinos, Meister Raffael, ist eine Statue am Ende der Via Raffaello Sanzio gewidmet. Diese steht in einem Park am höchsten Punkt der Stadt. Von dort aus genießt man auch einen tollen Rundumblick in die die Stadt umgebende Region.

Das Geburtshaus von Meister Raffael ist heute ein Museum.
Das Geburtshaus von Meister Raffael ist heute ein Museum.

Das Geburtshaus Raffaels kann besichtigt werden. Es ist ein Museum des großen Malers in diesem eingerichtet, der für seine besonders lieblichen ausgewogen komponierten Madonnenbilder berühmt wurde.

Kulinarik am Samstag

Jeden Samstag verkaufen Händler am Wochenmarkt ihre regionalen Produkte in Urbino.
Jeden Samstag verkaufen Händler am Wochenmarkt ihre regionalen Produkte in Urbino.

Rund um diesen Park findet jeden Samstag ein großer Markt mit Produkten aus der Region statt. Fischverkaufsstände gibt es auch. Die Händler kommen von der Küste dafür herein ins Land. Und man bekommt den typischen Schinken, der von Hand mit einem großen Messer hauchdünn vom ganzen Bein geschnitten wird.

Man sollte also einen Ausflug nach Urbino so planen, dass man am Samstag Vormittag auch noch den Markt besuchen kann. Sich durch die angebotenen Waren kosten, ist dabei Pflicht.

Die Kathedrale von Urbino.
Die Kathedrale von Urbino; links im Bild sieht man den Säulengang (siehe auch Foto oben).

Wir schlenderten die nach Raffael benannte Straße nach dem Besuch des Marktes zurück in die Via Puccinotti, wo auch der große Dom steht. Und wir beschlossen, hier unsere Mittagspause zu verbringen. Uns in eines der Restaurants zu setzen, die Sonne zu genießen und die Renaissance-Atmosphäre Urbinos zu atmen.

Mittagspause in Urbino.
Mittagspause in Urbino.

Unsere Wahl fiel auf den Platz vor der Kathedrale. Gegenüber der Aufgangstreppe setzten wir uns in ein kleines Restaurant. Typisch für die Region, es werden zum Getränk auch Antipasti gereicht. Eine Art Mazze (Fladenbrot) mit Speck und Käse belegt, lauwarm serviert.

Danach drehten wir noch eine Runde im historischen Zentrum, sahen uns den Fürstenpalast, den Palazzo Ducale, an. Bevor es wieder zurück zum Wohnmobil ging. Am Rückweg auf der Theater-Treppe begegneten uns dann junge Musiker, die ihre Instrumente am Rücken trugen und am Weg hinauf, wohl zur Musikprobe, waren. Violinen und Celli, 4 Stockwerke hoch, in der Renaissance-Stadt schlechthin. Wie kitschig!

Mordsmäßig historisch

Jetzt,  beim Betrachten des Urbino-Krimis ein dreiviertel Jahr später stellen wir fest: Das Restaurant aus dem Krimi, das kennen wir. Dort saßen wir auch vor den Stufen hinauf zur Kathedrale. Die Via Giuseppe Mazzini und das Stadttor kennen wir auch. Dort liegt gleich ums Eck die Polizeistation unseres Krimi-Polizisten Roberto. Auch erkennen wir die Gassen, die zur Universität führen, wo die Rechtsmedizinerin arbeitet. Und können uns die Olivenhaine in der Umgebung vorstellen.

Was uns beim Urbino-Krimi neu war, waren die Katakomben und Keller, die man als Schauplatz von Verschwörung und Mord zu sehen bekam. Und dass die Stadt 4 Stockwerke in die Tiefe führt, in die dunklen Abgründe ihrer Vergangenheit. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir vielleicht beim nächsten Urbino-Besuch erkunden werden.

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