Urlaub früher: Coco Bello und Disco

Angelika WohofskyJe älter man wird, umso näher rücken die Erinnerungen an die Urlaubstage der Kindheit, an Urlaub früher. Das ist die Zeit der späten 70er und frühen 80er Jahre. Wir erinnern uns ans spätabendliche Fotoshooting beim Fotografen in Caorle und das Rufen der Strandverkäufer, ans erste Verliebtsein, an das Rauschen des Meeres und an die Sandburgen, die wir am Strand errichteten. Erinnert ihr euch auch an die Muscheln, die wir bei Ebbe im flachen Wasser fanden? Und den Sand, den wir in Flaschen füllten, um ihn als Urlaubsandenken mit nachhause zu nehmen.

„Coco Bello“ – Hört ihr es? Seht ihr die großen Körbe mit frischer Kokosnuss auf den Köpfen der Strandverkäufer, und den Kübel voll Wasser, den diese mit sich trugen? Um darin die Kokosnuss-Spalten frisch zu halten, die sie uns für 500 Lire das Stück verkauften. Erinnert ihr euch, als wir uns bei den Afrikanern am Strand Handtaschen, Lederbändchen, Messingarmreifen, Ohrgehänge aus Silberdraht und Badetücher kauften?

Wir schleckten als Kinder jeden Tag mindestens eine Tüte „Gelato“, bekamen eine Taucherbrille mit Schnorchel und Flossen oder eine Angler-Ausrüstung im Urlaub geschenkt. Fetzten mit den Eltern, die Bravo oder den Rennbahnexpress behalten zu dürfen. Und hörten Disco von BoneyM oder Abba.

Wir fuhren als Jugendliche in den frühen 80ern nur deswegen noch mit der Familie in Urlaub, weil die Zigaretten billiger waren, in Italien und Kroatien. Wir schmachteten zu „Moonlight Shadow“,  hofften auf den Urlaubsflirt, sahen  „La Boum“ im Kino und träumten mit „Flash Dance“ von einer Showkarriere in den USA.

Wir schrieben Postkarten, hörten Musik vom Walkman, trugen Schlaghosen und Schulterpolster. Wir hatten diese unglaublich dämlichen Fön-Frisuren und Tonträger aus Vinyl im Schrank. Und wir fuhren auf nicht enden wollenden Straßen an den Strand unserer Träume. Im Opel Kadett oder VW-Käfer.

Heute schwelge ich hier mal in Erinnerungen und finde: Urlaub am Meer, das war meine Kindheit. Erstes Verliebtsein im Sommer, das war meine Kindheit. Den ersten Tschick, den gab’s im Urlaub, den ersten Kuss auch. Und als Jugendliche eroberten wir uns mit dem  Interrail-Ticket Europa, den Süden, die Länder mit dem großen weiten Meer.

Heute geht das alles viel einfacher. Man bucht den Urlaub online, düst auf breit ausgebauten Autobahnen mit dem Navi an die Küste, hört vielleicht immer noch Disco, Lennon oder „I want to break free“ von Queen  (nur eben als mp3) und hält am Strand nach „Coco Bello“ Ausschau. Gibt es die noch? Ich habe im Sommer nur ein einziges Mal diesen aus der Kindheit vertrauten Ruf gehört. Ganz weit unten im Süden, bei Neapel. Gleich neben dem Verkäufer von Selfie-Sticks mit dem passenden Design fürs iPhone.

 – Angelika Wohofsky

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