Weihnachten Italien

Wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird

Wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird, wollen wir uns heute einmal genauer ansehen. Wir werfen einen Blick auf ungewöhnliche Weihnachtsbräuche und beginnen damit in der Heimatregion unserer Firmenzentrale, der Obersteiermark. Danach geht’s weiter nach Kroatien und Italien.

Weihnachten und Advent, das ist die Zeit des Brauchtums und der winterlich mystischen Gestalten.  Wir alle kennen das Krampus- und Nikolospiel, den Adventkranz, die Barbarazweige und den Christbaum. Heute schauen wir uns diese Bräuche ein wenig genauer an. Und wir werfen einen Blick auf die skurrilsten Bräuche rund um Weihnachten in Österreich, Kroatien und Italien.

Der Advent, die stille Zeit

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…. so heißt es bei uns in Österreich in der Vorweihnachtszeit.  Doch neben dem Adventkranz, dessen erste Kerze am 1. Adventsonntag entzündet wird, laufen Anfang Dezember skurrile Gestalten durch die Nacht.

Die Steiermark ist gar nicht still

Schwarz oder auch ganz in weißes Fell gehüllt sind sie, mit wilden Fratzen und laut, die Krampusse. In Weißenbach bei Liezen, im Heimatort der Firmenzentrale der Gebetsroither Unternehmensgruppe, sind diese Krampusse besonders schön anzuschauen und – ein wenig  anders als sonst üblich. Denn sie tragen keine schweren Masken und auch keine Schaffell-Anzüge.

Wie Weihnachten in der Steiermark gefeiert wird: Graphit-Teufel
Vorweihnachtliches Krampusspiel in Weißenbach bei Liezen, dem Heimatort von Gebetsroither. Die Graphit-Teufel sind einzigartig.

Hier werden die Krampusse Graphit-Teufel genannt. Sie laufen mit geschwärzten Körpern  bloßfüßig (!!!) durch den Ort und begleiten dabei den Nikolaus. Und das am 5. Dezember abends, halbnackt, nur mit einem schwarzen Fell am Oberkörper und um die Hüften bekleidet. An drei Stationen, zum Schluss am Dorfplatz, wird mit den Graphit-Teufeln das Krampusspiel mit Nikolaus, Jäger, Habergoas, Pfarrer und dem Tod inszeniert.


Eine Art Jedermannsspiel wird auch  von den Schab aufgeführt. Das findet in Bad Mitterndorf, Kainisch-Obersdorf, Tauplitz, Krungl und Öblarn am 5. Dezember statt. Die Schab ziehen dabei mit dem Nikolo und einer Horde Krampusse, dem Tod, Schmied und Bettelmann durch den Ort.

Eine Gruppe Schab, das ist eine Gruppe Männer, ganz in Stroh gekleidet. Am Kopf tragen sie ein paar Meter lange Hörner, die gabelförmig auseinander klaffen oder zu einem einzigen Horn zusammengebunden sind.  Mit rhythmischen Peitschenschlägen vertreiben die Schab die bösen Geister.

Kroatien im Advent

Doch wie geht es in Kroatien zur Weihnachtszeit und im Advent zu? Welche Bräuche sind dort üblich?

Am 4. Dezember wird in Kroatien Weizen gesät! Ja, ihr lest richtig. Wenn wir in Österreich Barbarazweige schneiden, säen die Kroaten Weizen in eine runde Schale. Das nennt sich dann: 

Barbaraweizen
Barbaraweizen in Kroatien.

Dieser Barbaraweizen oder Weihnachtsweizen geht in der Schale auf und soll bis zum Heiligen Abend kräftig ausgetrieben haben. Dann wird er mit einer Schleife in den kroatischen Nationalfarben (rot, weiß und blau) zusammengebunden. Mit einer Kerze geschmückt stellt man diesen Weihnachtsweizen als Glücksymbol auf den Tisch.

Am 24. Dezember wird außerdem  ein Baumstamm (kroatisch „Badnjak„) bzw. ein großes  Holzscheit  angezündet, das den gesamten ersten Weihnachtsfeiertag brennen soll. Der Heilige Abend heißt auf Kroatisch ja auch Badnja . Was soviel bedeutet wie „Baumstamm Abend“.

Italien pokert im Advent

Italien ist äußerst skurril, was die Weihnachtszeit betrifft. Denn hier findet gleich viermal Weihnachten mit Bescherung statt.  Die Festtage beginnen schon mit dem Nikolo-Tag, den 6. Dezember und ziehen sich übers Neujahr hinaus bis zum 6. Jänner. Es regnet also Geschenke für die Kinder. Wer diese bringt, lest ihr unten weiter im Kapitel „Geschenke“.

Und weil die Italiener soviel Wert auf Geschenke legen, wird auf Sizilien „Weihnachtspoker“ einmal pro Woche während der Adventszeit in der Familie gespielt. Das Ziel: Geld gewinnen, um sich die Weihnachtsgeschenke leisten zu können. Ist skurril, aber wahr!

Wer bringt die Geschenke?

Das bringt uns jetzt zum nächsten Thema: die Geschenke.

Generell kommen  Christkind und immer öfter auch der Weihnachtsmann in Österreich, Kroatien und Italien als Geschenke-Lieferanten zum Einsatz. Wie aber schon erwähnt, sind in Italien mehrere Geschenke-Boten für die Kinder unterwegs.

Wie  Weihnachten in Italien gefeiert wird

Zum Nikolo, am 6. Dezember, bringt die ersten Geschenke  San Nicola. Eine Woche später beim Lichterfest am 13. Dezember beschenkt Santa Lucia die Kinder und legt ihnen diese vor die Schlafzimmertür – traditionell wurden an diesem Tag aber die Armen beschenkt.

Große Geschenke erhalten die Bambini am Morgen des Christtages, den 25. Dezembers. Die Bescherung findet vor ihrem Bett oder unter dem Tannenbaum statt. Dann war nämlich das Christkind (Il Bambinello Gesu) da.

Manche Familien veranstalten an diesem Tag aber auch eine Familien-Lotterie (ach, schon wieder Glücksspiel!) und man zieht eine Nummer, der ein Geschenk zugewiesen ist. Das erinnert uns doch an den Brauch des Wichtelns!

Wenn dann noch Schnee fällt (durchaus üblich in vielen Regionen Italiens), flippen die hoffnungslos romantischen Italiener gänzlich aus. Die ihren Weihnachtsbaum übrigens auch mit Zitronen, Orangen, roten Pfefferoni und bunten Figuren schmücken. 😉

Jetzt kommt Befana

Hexe BefanaAber, liebe Leute, es geht noch weiter! In Italien bringt eine Hexe die Geschenke im Neuen Jahr: Spielzeug und viel Obst. Und das am 6. Jänner. Die weise alte Hexe Befana rutscht in dieser Nacht auf den 6. Jänner durch den Kamin und hinterlässt ihre Gaben für brave Kinder in einem bereitgestellten Schuh. Schlimme Kinder bekommen ein Stück Kohle in den Schuh gesteckt.

Befana tut das, weil sie den Stern von Bethlehem versäumte und jetzt in jedem Haus nach dem Jesuskind sucht. So geht’s einem, wenn man zwar weise und alt, aber vergesslich ist. 😉

Hexe Befana, wie Weihnachten in Italien gefeiert wird
Wie Weihnachten in Italien gefeiert wird: Eine Befana-Puppe „fliegt“ im Garten und bringt noch in der Nacht auf den 6. Jänner die letzten Geschenke.

Hexe BefanaAn der Befana haben die Italiener auch so ihren  Narren gefressen. Schon am Abend des 5. Jänner lassen sie die Hexe Befana  fliegen: von Kirchtürmen, Stadtmauern oder sogar als Quadrokopter-Version über Plätze und Häuser. Und sie hängen kleine Befana-Puppen in die Sträucher im Garten oder an den Kamin-Sims.

Wie Weihnachten in Kroatien gefeiert wird

In Kroatien bringt den Kindern der Sveti Nikola am 6. Dezember die ersten Geschenke. Dafür stellen diese ihre blankpolierten Stiefel am Vorabend aufs Fensterbrett. Wer Stöcke in den Stiefeln findet, war nicht brav genug um Geschenke zu erhalten.

Am 24. Dezember abends gibt es dann Münzen für die Kinder. Diese Münzen werden in ein Brot eingebacken, das nur gebrochen werden darf.

Brot mit Münzen, wie Weihnachten in Kroatien
Brot, in dem die Münzen versteckt sind.

Der Rest läuft wie bei uns: Christbaum, bunt geschmückt und mit vielen Geschenken darunter. Auch in Kroatien kommen die großen Geschenke am Heiligen Abend bzw. am Christtag.

Glöckeln im Salzkammergut

Und wie ist das mit den Geschenken in Österreich?  Auch hier gibt es eine Ausnahme:

Im Ausseerland ziehen am 5. Jänner ab dem frühen Morgen  Kinder mit weißen Leinensäcken, dem Glöcklersack  von Haus zu Haus. Vor den Haustüren läuten die Glöckl-Kinder mit ihren Glocken. Dabei rufen sie den Spruch: „I bitt‘ schön um an Krapfn.“ Die Hausleute geben ihnen dann Orangen, Früchte,  Süßigkeiten und natürlich den typischen Glöckl-Krapfn in den Sack. Ein flacher Krapfen aus Germteig mit einer Vertiefung in der Mitte, auch anderswo als Bauernkrapfen bekannt.

Nachdem sie ihre Gaben empfangen haben, wünschen die Glöckl-Kinder: „A guats neichs Jahr!“ Mehr über die Göckl-Kinder lest ihr hier.

Zusammenfassung

Wie ihr jetzt seht, gibt es allerlei Eigenartiges unter den Weihnachts- und Adventbräuchen in Kroatien, Italien und auch Österreich. Allen ist gemein, dass es dabei um Geschenke, milde Gaben und die Ermahnung an die Kinder, brav zu sein, geht. Dahinter steckt  die Vorstellung, das Böse auszutreiben und das neue Glück ins Leben einzuladen.

Haben wir einen Brauch vergessen? Dann schreibt uns einen Kommentar und berichtet von seltsamen Bräuchen rund um die Weihnachtszeit.

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Im zweiten Teil unserer Weihnachtsserie, wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird, stellen wir euch die traditionellen Weihnachtsgerichte vor. Gerichte, die in Österreich, Kroatien und Italien aufgetischt werden. Dieser Beitrag erscheint am 20. Dezember 2017.


Fotorechte:

  • Weißenbacher Graphit-Teufel von Johann Lüftenegger
  • Schab von Angelika Wohofsky
  • Hexe Befana von Rosaria Romano
  • Brot mit Münzen von Silvana Babic
  • Weihnachtsszene (Beitragsbild) von  pixabay, Creative Commons CC0
  • Barbaraweizen von Creative Commons Wikipedia, Roberta F.

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