Wohnmobil-Reise und Klimaschutz – verträgt sich das?

Wie umweltfreundlich ist das Camping? Wie  klimafreundlich ist eine Reise mit dem Wohnmobil? Eine Studie des Öko-Institutes Darmstadt untersuchte die Auswirkungen von Wohnmobil-Reisen auf Energieverbrauch und CO2-Emissionen.

Die Ausgangssituation

Die typische Wohnmobil-Reise besteht aus 2 Personen, findet im Sommer in 12 Tagen statt und man fährt dabei rund 1.600 km. Ob nun solche Reisen auch umweltfreundlich sein können, das war Gegenstand einer Studie, die vom Öko-Institut e.V. in Darmstadt durchgeführt wurde.

Für diese Studie simulierte man Fallbeispiele und errechnete für diese den Energieverbrauch und CO2-Emissionen. Folgende Beispielreisen mit dem Wohnmobil wurden dafür herangezogen, immer von Frankfurt/Main ausgehend: Rügen/Ostsee,  Südfrankreich mit rd. 2.600 km Hin- und Rückweg, Italien/Sizilien bei  4.900 km hin und retour. Dabei wurden Vor-Ort-Wegstrecken mit PKW oder Wohnmobil zwischen 130 km  und 250 km hinzu kalkuliert.

Um zu einem aussagekräftigen Schluss zu kommen, zogen die Studienverfasser auch eine 8-tägige Winterreise in die Dolomiten hinzu. Dafür wurden rd. 1.400 km Hin- und Rückfahrt sowie bis maximal 80 km Vor-Ort-Mobilität eingeplant.

Welche Reisearten wurden in der Studie  miteinander verglichen? Wohnmobil + Stellplatz, Wohnmobil + Campingplatz, PKW + Hotel, PKW + Campingplatz,  Reisebus + Hotel und Flugzeug + Mietwagen + Hotel, sowie Kreuzfahrten.

Zulassungsstruktur bei Reisemobilen

Die Zulassungszahlen für Reisemobile zeigt seit rund 10 Jahren deutlich zugunsten der Gewichtsklasse 2,8 bis 3,5 Tonnen nach oben. Immer mehr Anbieter kommen mit Modellen innerhalb dieses Gewichtsegmentes auf den Markt.

Leichte Reisemobile liegen also schon seit einigen Jahren  im Trend. Genauso wie die Zahl für Neuzulassungen bei Reisemobilen zwischen Oktober 2014 bis September 2015 von der Caravaning Industrie Verband e.V. (CIVD) mit einem deutlichen Plus von 10 % angegeben wird. Auch die Veranstalter des Caravan Salon Austria bestätigten diesen Trend auf der Messe in Wels, Mitte Oktober 2015. Dort lag das Interesse, neben einer Rekordbesucherzahl jenseits der 30.000 Messebesucher, vor allem bei Neuwagen (Reisemobile, Wohnwagen) besonders hoch.

Die Darmstädter betonen in ihrer Studie, dass die Leichtgewichte unter den Wohnmobilen bereits 2005 rund 80 % der Neuzulassungen ausmachten. Und genau diese Gewichtsklasse bis 3,5 Tonnen lässt zudem  den Schluss zu, umweltfreundlicher als die Klasse darüber zu sein.

Wohnmobil-Reise

Energieverbrauch im Wohnmobil

Als Überblick lässt die Studie des Öko-Institutes auch in den Stromverbrauch eines Wohnmobils blicken. So ist Energie für den Ruhestrom, das Ladegerät, den Betrieb der Wasserpumpe und die Beleuchtung in Wohnraum und Bad nötig. Letztere wird zunehmend von Energie sparenden LED-Beleuchtungskörpern bei vielen Modellen ersetzt. Auch benötigen Satellitenanlage, Autoradio, Fernseher, Kühlschrank, Klimaanlage, Notebook oder Tablet sowie das Heizungsgebläse elektrische Energie. Diese Energie kommt von den Batterien des Wohnmobils, aus der Steckdose am Stellplatz oder Campingplatz bzw. wird in Photovoltaikzellen am Dach des Freizeitfahrzeuges erzeugt.

Alles in Allem kommen die Darmstädter Studienverfasser auf einen Gesamtverbrauch von 3.522 Wh (3,522 kWh)  pro Tag im Sommer, und auf nur marginal erhöhte 3.554 Wh (3,554 kWh) im Winterbetrieb pro Tag.  Das ist unvergleichlich wenig, wenn man weiß, dass der durchschnittliche Energieverbrauch pro Übernachtung in einem deutschen Hotel (ohne Frühstück!) bei 53,7 kWh liegt.

Was ist „Green Travel“?

Auch dazu gibt diese Studie eine Anleitung, wie man als Reisemobilist umweltfreundlich unterwegs ist. Denn was beeinflusst werden kann, ist der Kraftstoffverbrauch des Fahrzeuges und damit auch der Energieverbrauch insgesamt.

Beim Fahren soll man auf den richtigen Reifendruck achten, eventuell sogar mit 110 % des angegebenen Druckes fahren (Kraftstoffeinsparung rund 1 %, jedoch Verringerung der Lebensdauer des Reifens).  Dem Reifen selbst kommt eine wichtige Funktion dabei zu, denn Kategorie A Reifen senken die Spritkosten um bis zu 9 % gegenüber dem leistungsschwächsten Produkt (Kategorie G-Reifen).

Leichtlauf-Motoröle und so wenig Gepäck wie möglich reduzieren ebenfalls den Kraftstoffverbrauch. Die von der Studie angegebene Best-Practise Berechnung gibt eine Reduktion des durchschnittlichen Verbrauchs bei all diesen Maßnahmen von rund 12,5 % an. Und zwar für ein Wohnmobil. Diese Maßnahmen verringern außerdem den CO2-Ausstoß pro Person, der durch die Reisetätigkeit erfolgt.

Dieses Einsparungspotenzial der CO2-Emissionen lässt sich sogar auf 20 % steigern, wird die Vor-Ort-Mobilität mit PKW oder Wohnmobil am Campingplatz noch reduziert. Auch die Wahl von umweltfreundlichen Campingplätzen, welche die bereitgestellte Energie beispielsweise aus erneuerbaren Ressourcen erzeugen,  sowie die Reduktion der Kilometer für An- und Rückfahrt helfen, die CO2-Emissionen zu verringern.

Genau diese energiesparende und CO2-arme Form des Reisens nennt man dann „Green Travel“.

Die Umwelt freut sich

Der Projektleiter der Studie, Daniel Bleher, kommt zum Schluss: „…,dass trotz technischer Fortschritte in allen Bereichen, der Urlaub im Wohnmobil eine umwelt- und klimafreundliche Alternative zu Fernreisen insbesondere mit dem Flugzeug bleibt.“ Damit ist eine Prognose bis zum Jahr 2020 gemeint.

Auch im Vergleich zu Reisen mit dem PKW bei Hotelübernachtungen bleibt das Wohnmobil (mit Stellplatzübernachtung) eine umweltfreundliche Alternative. „Dabei fällt der Umweltvorteil umso höher aus, je mehr Personen gemeinsam im Wohnmobil reisen und je kürzer die Wegstrecke zum Reiseziel ausfällt“, so die Kernaussage der Studie. Die Klimabilanz je Übernachtung fällt umso günstiger aus, je kürzer gefahren wird und je mehr Personen im Wohnmobil reisen.

Fazit Wohnmobil-Reise

Pro Nacht im Wohnmobil stehen rund 1,5 Kilogramm CO2-Äquivalent einer Nacht im Hotel mit 17 Kilogramm gegenüber. Diese Maßzahl gibt den relativen Effekt zum Beitrag des Treibhauseffektes in Kohlenstoffdioxid (CO2) pro Person an.

Das Darmstädter Öko-Institut hat damit gezeigt, dass Campingurlaub (mit PKW oder Wohnmobil) eine durchaus zu beachtende umweltfreundliche Alternative zu anderen Urlaubs- und Reiseformen darstellt.

Quelle: Daniel Bleher: Vergleichende Klimabilanz von Motorcaravanreisen – heute & morgen. Studie für den CIVD – Caravan Industrie Verband e.V. (Frankfurt am Main). Öko-Institut e.V. Büro Darmstadt, Februar 2013.

7 Gedanken zu „Wohnmobil-Reise und Klimaschutz – verträgt sich das?“

  1. Was habe ich da mit einem süffisant und fröhlichen Kommentar nur angerichtet? Eine verbissene Diskussion um das für und wider des Reisens mit dem Wohnmobil war nicht meine Absicht.
    Offenbar habe ich das Unwohlsein über den eigenen ökologischen Fußabdruck unterschätzt. Sorry for that…

  2. Ja, die Daten zweifle ich nicht an. Will den WoMo-Fans auch gar nicht den Spaß verderben, aber viele sind ja wochenlang unterwegs, fahren unglaublich viele Kilometer mit ihren Dieselfahrzeugen – andere fliegen einmal im Jahr mit 200 anderen auf eine Insel. Sind 100 Diesel Wohnmobile wirklich so viel „sauberer“ als 1 Flugzeug? Ehrlich, ich weiß es nicht und eigentlich ist ja auch klar, dass sich niemand abbringen lässt, der in Urlaub fliegen möchte.
    Übrigens waren wir kürzlich in einem Hotel, das zwar eine Klimaanlage hatte, die aber nur funktionierte, wenn man im Zimmer war – und gerade in der Nacht braucht man die nicht. Und tagsüber ist man im Urlaub sowieso unterwegs und draußen.
    Man könnte ja noch ewig weiter diskutieren, aber Küchen in Hotels und Restaurants muss es halt geben – für die, die kein Wohnmobil haben und nicht in einer Ferienwohnung selbst kochen wollen. Ich kann es gut verstehen, dass man sich im Urlaub verwöhnen lassen möchte. Nicht zu vergessen die vielen, vielen Arbeitsplätze die daran hängen.

    Abschließend:
    Alle Berechnungen werden so wohl stimmen, aber das Reiseverhalten wird dadurch sicher nicht beeinflusst werden können und wer halt in einem deutschen Hotel übernachten möchte, der wird das tun. Man denke nur an die vielen Geschäftsreisenden, denen gar nichts anderes übrig bleibt!
    Täglich fahren auch Millionen von Autofahrern alleine in ihrem Auto zur Arbeit und bilden keine Fahrgemeinschaften. Auch wenn alle wissen, dass das viel umweltfreundlicher wäre. Und wenn wir einmal im Jahr auf die Kanaren fliegen wollen, dann weiß ich zwar, dass das nicht gut ist für die Umwelt, aber soll ich deshalb zu Hause bleiben? Oder keine Städtereisen mehr machen wegen des Energieverbrauchs im Hotel?

    Ich verstehe sehr gut, was ihr mit dem Beitrag sagen wollt und es ist ja in Ordnung, dass ihr mit „gutem Gewissen“ unterwegs seid und euch darüber freut. Deshalb einen schönen Abend noch!

    1. Ich kann das ja alles irgendwie nachvollziehen, aber wenn 50 Leute in einem Bus zusammen nach Berlin fahren ist das doch sicher weniger klimaschädlich als wenn 25 Wohnmobile mit je 2 Personen losfahren? Wenn wir in Städte reisen, verzichten wir meistens auf das eigene Auto und fahren mit dem Fernbus, gerade weil wir der Meinung sind, es ist umweltfreundlicher, wenn nur ein Vehikel auf der Straße unterwegs ist.

      Und irgendwie ist das auch alles recht unrealistisch, denn würden alle, die gerne reisen, plötzlich ein Wohnmobil kaufen anstatt mit dem Flugzeug zu verreisen, dann wären unsere Straßen ganz schön verstopft, endlose Staus erscheinen vor meinem geistigen Auge, die Campingplätze hoffnungslos überfüllt. Also müssten zahllose neue Campingplätze gebaut werden, um die Städtereisenden (als Beispiel Berlin) dort unterzubringen. Ob das wohl so eine bessere Bilanz wäre verglichen mit einem Hotel?

      Manchmal sind solche Berechnungen zwar richtig, gehen aber irgendwie an der Realität vorbei.

      Mir kommt das so vor wie beim viel gepriesenen „Wasser sparen“. Das ist zwar im Prinzip richtig und gut, aber die Kanalisation geht kaputt, es bilden sich Keime, es stinkt und viele Städte müssen sogar Wasser durch die Kanalisation pumpen, damit sich nicht zu viel ablagert. Wir Deutschen sparen im Haushalt am Wasser, ja sogar beim Klogang. Das meiste Wasser wird aber bei der Erzeugung von Lebensmitteln benötigt oder bei der Produktion von Kleidung. Daran will aber niemand sparen, auch wenn bekannt ist, dass durch Bewässerung von riesigen Gemüsefeldern und Zitrushainen z.B. in Spanien Unmengen von Wasser verbraucht werden, aber wir wollen ja das ganze Jahr über billige Tomaten.

      Das fiel mir nur eben ein bei deinem Beitrag, denn es gibt auch immer „eine andere Seite der Medaille“ wie man so schön sagt.

      LG Sigrid

      1. Vielen Dank Sigrid, dass du so ausführlich deine Gedanken zu diesem Beitrag mit uns teilst. Diese Studie bezieht auch den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen mit ein, die durch den Betrieb von Hotels (Heizung, Klimaanlage, Küche und Lebensmittel,…) entstehen.
        Sonst sind wir aber bei diesen Gedanken voll mit dir. Danke eben nochmals dafür. 😉

        Wir fanden diese Studie erwähnenswert, weil sie klassische Fernreisen und Kreuzfahrten dem Camping, so wie dieses derzeit angeboten wird, gegenüberstellt.

      2. Es mag sein, dass 25 Wohnmobile bei der Fahrt nach Berlin mehr Diesel verbrauchen. Aber was ist mit der Klimaanlage des Hotels, oder die durchlaufenden Generatoren des Kreuzfahtschiffs, der ungeheure Energiebedarf der Hotelküchen und Restaurants…
        Das Öko-Institut in Darmstadt zählt zu den renomierten unabhängigen Forschungsinstituten. Und wenn die so etwas herausfinden, dann kann man das schon zur Orientierung als richtig annehmen. Das es auch Fälle gibt, auf die die Modellannahmrn nicht passen und damit bei Einzelfällen die Aussage nicht so klar oder gar nicht stimmt, liegt in der Natur der Statistik.

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